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Skurrile Umbenennungsdebatte

Leipzig: Richard-Wagner-Verband gegen „Refugees-welcome-Platz“

Dienstag, 03 November 2015 20:10 geschrieben von 
Richard Wagner (1871) Richard Wagner (1871) Quelle: de.wikipedia.org | Franz Seraph Hanfstaengl

Leipzig – Der Leipziger Richard-Wagner-Verband hat sich gegen eine Umbenennung des in der Altstadt gelegenen Richard-Wagner-Platzes in „Refugees-welcome-Platz“ ausgesprochen. In einer am Montag veröffentlichten Erklärung bezeichnete Verbandschef Thomas Krakow den Vorschlag als „kulturpolitischen Unsinn“ und Versuch, das Gedenken an den Geburtstort des weltberühmten Komponisten zu beschädigen.

„Richard Wagner wurde in Leipzig geboren und ist einer der größten Künstler des 19. Jahrhunderts. Seit der Namensgebung zum 100. Geburtstag 1913 ehrt die Stadt damit einen ihrer größten Söhne. Dies muss so bleiben“, so Krakow, der zugleich auf eine Unterschriftenaktion seines Verbandes gegen die Umbenennung hinwies. Der Richard-Wagner-Verband wurde 1909 in Leipzig gegründet und vereint heute 131 Ortsverbände mit rund 20.000 Mitgliedern weltweit.

Angestoßen wurde die skurrile Debatte um die Umbenennung des Platzes durch einen entsprechenden Beschluss auf der Mitgliederversammlung des Leipziger Stadtverbandes von Bündnis90/Die Grünen. Hatte man dies in der Pleißestadt zunächst noch belächelt, wurde die Sache nun auf eine politisch ganz andere Ebene gehoben, indem die Stadtratsfraktion erklärte, die Umbenennung in „Refugees-welcome-Platz“ zu unterstützen.

Vorstandssprecherin Christin Melcher hatte zuvor erklärt: „Wir treten ein für ein weltoffenes und tolerantes Leipzig. Die Umbenennung eines zentralen Platzes als Refugees-Welcome-Platz ist auch ein Symbol für eine neue Willkommenskultur in Leipzig.“ Norman Volger, Fraktionsvorsitzender der Grünen im Stadtrat, unterstrich die Argumentation seiner Parteifreundin, will die Namensgebung aber auch als Zeichen gegen die regelmäßigen Demonstrationen von Legida verstanden wissen. Mit der Umbenennung des Richard-Wagner-Platzes könne man zeigen, dass in Leipzig kein Platz für Rassismus sei.

Um die Umbenennung durchzubekommen, müsste der Antrag der Grünen im Stadtrat eine Mehrheit bekommen. Wann die Fraktion den Antrag einbringen will, ist noch nicht bekannt. Beobachter gehen allerdings nach jetzigem Stand davon aus, dass die Initiative nicht genügend Unterstützer finden würde. Ein seit 15 Jahren in Leipzig ansässiger Kulturschaffender meinte auf Anfrage der SACHSEN DEPESCHE, dass die Sache eher als PR-Gag und Testballon zu verstehen sei. Beim Richard-Wagner-Verband am Richard-Wagner-Platz 1 hält sich die Belustigung darüber in Grenzen.

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Valérie Cohène

Valérie Cohène wurde 1992 in Haifa (Israel) geboren und wuchs in Paris und Frankfurt am Main auf.

Sie studierte Ethnologie, Kulturwissenschaften und Philosophie und lebt heute in Leipzig. Ihre Leidenschaft gilt der Literatur. Insbesondere schätzt sie den Expressionismus und die Werke Kafkas, Werfels und Trakls. Daneben befasst sie sich mit Kunst, Musik, Kino und Theater. Seit Mai 2015 gehört Valérie Cohène zur Redaktion und ist für das Kulturressort zuständig.

Webseite: www.sachsen-depesche.de/show/author/51-valérie-cohène.html
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