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Arabisch-israelischer Psychologe und Buchautor sieht wachsende Gefahr

„Generation Allah“: Islamforscher Ahmad Mansour fordert mehr Prävention, um muslimische Jugendliche vor Extremismus zu schützen

Montag, 30 November 2015 19:14 geschrieben von 
Ahmad Mansour Ahmad Mansour Quelle: de.wikipedia.org | Ahmad Mansour | CC BY-SA 3.0 de

Berlin – Der Islamforscher und Psychologe Ahmad Mansour warnt vor einer Unterschätzung des Radikalisierungspotenzials muslimischer Gemeinschaften in Deutschland. Er müsse eine zunehmende „Planlosigkeit“ der Politik im Umgang mit islamistischen Gruppen beobachten, kritisierte der Autor des Buches „Generation Allah“ in der letzten Woche. „Prävention ist halt nicht sexy, da gibt es keine schnellen Ergebnisse, die man vorzeigen kann“, so der wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Zentrum für demokratische Kultur in Berlin. Prävention sei jedoch gerade in der heutigen Zeit unendlich wichtig, „weil ich finde, dass es hierzulande unfassbar viele Jugendliche gibt, die Verschwörungstheorien anhängen, antisemitische Gedanken hegen und nicht demokratisch denken“.

Mansour, der 1976 als Sohn arabischer Israelis in Tira etwa 15 Kilometer nordöstlich von Tel Aviv an der Grenze zum Westjordanland geboren wurde und sich in jungen Jahren selbst zum Islamismus hingezogen fühlte, bevor er in Israel Psychologie studierte, ist der Ansicht, dass sich die Muslime angesichts der jüngsten Terroranschläge in Paris die Frage stellen müssten, „wie so ein Ungeheuer unter uns entstehen konnte“. Deutschland sei zwar bislang von Anschlägen verschont geblieben, doch auch hierzulande sei die Zahl der Extremisten, die als potenzielle Terroristen angesehen werden müssten, innerhalb kürzester Zeit derart angestiegen, „dass man sie nicht mehr alle überwachen kann“.

Für viele junge Muslime sei die Religion „das einzige identitätsstiftende Merkmal“, so Mansour weiter. Um zu verhindern, dass sich diese Jugendlichen radikalisierten, müsse man in die Schulen gehen und mit ihnen ins Gespräch kommen. „Hinterher ist es zu spät.“ Islamischer Religionsunterricht trage seiner Ansicht nach nicht zur Lösung des Problems bei, da es unter den Lehrkräften selbst zahlreiche Personen gebe, deren Ansichten „hochproblematisch“ seien. Immerhin hätten aber mittlerweile einige Islamverbände in Deutschland begriffen, dass vor allem salafistische Bestrebungen ein Problem darstellten.

Mansour, der auch bei Deradikalisierungsberatungsstelle Hayat in Berlin arbeitet, ist nicht der Ansicht, dass muslimische Jugendliche, wie oftmals behauptet, aufgrund von diskriminierender oder gar rassistischer Erfahrungen anfällig für eine Radikalisierung würden. In der Arbeit mit ihnen falle ihm vielmehr auf, dass ihnen häufig eine Vaterfigur fehle und sie persönliche Krisen durchlebt hätten. In den allermeisten Fällen seien es die Mütter, denen die Veränderung ihrer Söhne auffällt, so der Psychologe.

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Roxana Miller

Roxana Miller wurde 1985 in Minsk/Weißrussland geboren.

Klassisches Ballett ist ihre Leidenschaft.

Sie studierte Germanistik (Universität Minsk) und später Slawistik (Universität Jena).

Seit Januar 2015 arbeitet sie für unsere Redaktion.

Webseite: www.sachsen-depesche.de/show/author/42-roxana-miller.html
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