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Aus der Oberlausitz

500. Reformationstag in Pohla

Sonntag, 12 November 2017 16:06 geschrieben von 
Pohla (Lithographie um 1840) Pohla (Lithographie um 1840) Quelle: Privatarchiv Wawrzinek

Demitz-Thumitz – Das Dorf Pohla liegt 7 Kilometer nordöstlich von Bischofswerda im Landkreis Bautzen in der Oberlausitz. Für seine 143 Einwohner hat der 1268 ersterwähnte (und seit 1994 zu Demitz-Thumitz eingemeindete) Ort Bemerkenswertes zu bieten: Da wären „Maria am Berge“ eine der ältesten Kirchen der Region, deren Ursprünge bis in die Zeit der Christianisierung zurückgehen und ein neobarockes Schloß der Herren von Ponickau, welche das Rittergut Pohla gut 400 Jahre lang besaßen. Heute leben darin Felizitas und Thomas von dem Knesebeck als Schloßbesitzer und ambitionierte Gemeindemitglieder.

Pohla hat einen Sportverein mit mehreren Fußballmannschaften und einen Dorfclub, dem Traditionspflege und Heimatgeschichte obliegen und nicht zuletzt die Geselligkeit im eigenen Vereinshaus. Von den Gewerken und Betrieben früherer Zeit blieb nicht viel, lediglich eine Elektrofirma ist aktuell am Ort verzeichnet. Dafür gibt es nunmehr Wein „Vom Pohlaer Berg“, der sich trinken läßt, angebaut von der Winzerfamilie Nitsche. Wir kommen noch darauf zurück.

Aus Anlaß des 500. Reformationstages am 31. Oktober 2017 haben die Pohlaer auf ihren „Eichenplatz“ zur Pflanzung einer Reformationslinde geladen. Dafür hatten junge Familien Briefkarten vorbereitet, die das denkwürdige Jubiläum erinnern und später an gasgefüllten Ballons gen Himmel steigen. Die Kinder des Dorfes sind es auch, welche mit Schaufeln, Mulche und voller Eifer das Pflanzloch schließen, aus dem heraus sich das Bäumchen nunmehr in die Höhe streckt. Zuletzt hält Pfarrer Marko Mitzscherling eine kleine Festrede, die in einem gemeinsamen Vaterunser ihren Abschluß findet.

Ob die Bauern des Dorfes einst, mit der Einführung der Reformation nach 1550, die nunmehr deutsch (anstatt lateinisch) zelebrierte Liturgie verstehen konnten? Wohl kaum, denn sie waren Sorben, deren Oberlausitzer Heimat zu jener Zeit noch zum Königreich Böhmen gehörte. Die Einführung der Reformation in Pohla ist ebenso Thema des sich anschließenden Vortrages von Roland Synde, dem nun die Nachfahren ihrer, vor fünf Jahrhunderten evangelisch gewordenen Ahnen mit aufmerksamen Interesse lauschen.

Dann aber schlägt die Stunde von Hobbywinzer Nitsche, beginnt die erwartete Weinverkostung. Launig und nicht ohne Stolz führt der Weinbauer durch die selbstgeschaffenen Kreationen, derweil sich die Wangen der Teilnehmer röten, die Stimmung steigt und fröhlicher Lärm aus den längst geöffneten Fenstern dringt. Doch es ist nicht nur der Wein, der uns hier in seinen Bann zieht, abseits der großen Straßen, wo das Leben noch einer ursprünglichen Bahn folgt. Es liegt ein Zauber über dieser berechenbaren Welt freundlicher Menschen, die den 500. Jahrestag der Reformation in Pohla im besten Sinn zu feiern wußten.

Weitere Informationen: www.pohla-stacha.de

Fleißige Helfer Quelle: Bert Wawrzinek
Fleißige Helfer
Quelle: Bert Wawrzinek

 

Schloß Pohla Quelle: Bert Wawrzinek
Schloß Pohla
Quelle: Bert Wawrzinek

 

Pfarrer Mitzscherling (links), Felizitas und Thomas von dem Knesebeck Quelle: Bert Wawrzinek
Pfarrer Mitzscherling (links), Felizitas und Thomas von dem Knesebeck
Quelle: Bert Wawrzinek

 

Letzte Änderung am Montag, 13 November 2017 17:28
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Bert Wawrzinek

Bert Wawrzinek wurde 1959 in Leipzig geboren und lebt heute im Stolpener Land.

Im ersten Leben Rockmusiker, betreibt er seit 25 Jahren das HISTORICA Antiquariat im Dresdner Barockviertel.
Für SACHSEN DEPESCHE schreibt er seit April 2016 zu Themen der sächsischen Kultur und Geschichte.

Webseite: www.sachsen-depesche.de/show/author/56-bert-wawrzinek.html
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