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Allerlei Historisches - in Bischofswerda

Mittwoch, 04 Oktober 2017 03:25 geschrieben von 
Bischofswerda, historische Ansicht von 1710 Bischofswerda, historische Ansicht von 1710 Quelle: Privatarchiv Wawrzinek

Bischofswerda – Es war im Kriegsjahr 1641. Viele Wochen schon plünderten die Schweden das unglückliche Bischofswerda. Besonders arg taten sich dabei die Leute der Truppenführer Wanke und Hänßgen hervor. Die Reiter des letzteren hatten es auf die Stadtkirche abgesehen. Hier aber war kaum etwas zu holen, was andere nicht schon genommen hätten. In der Sakristei raubte ein Soldat schließlich grüne „taffete“ (seidene) Tüchlein, die sonst zum Auswischen des Kelches nach der Kommunion dienten. Lachend schlug der Mann die Warnungen seiner Kameraden in den Wind und knüpfte sich daraus eine „Leibbinde“, eine Schärpe also, die um Hüfte oder Schulter gebunden wurde. Dann aber geschah Merkwürdiges. Von jenem Tag an, da er die heiligen Tücher um sich geschlungen trug, ging es dem Manne immer schlechter. Sein Körper schien zu verdorren und binnen eines Monats war der Frevler „erbärmlich und elend“ gestorben. (Nach Fr. Bernhard Störzner: Was die Heimat erzählt, 1904)

Viel Zeit ist seit jenen dramatischen Tagen in der Geschichte „Schiebocks“ vergangen, doch die Warnung, an entscheidender Stelle nicht den gebotenen Respekt fehlen zu lassen, bleibt aktuell. Respekt und eine neue Bestimmung gibt es für den wohl ältesten erhalten gebliebenen Gebäudekomplex der Stadt, die sogenannte Fronfeste mit dem urtümlichen „Dresdner Turm“, der bald in neuem Glanz erstrahlen wird. Ehemals städtisches Gefängnis mit Diensträumen für Polizei und dem Wohnhaus des Fronvogtes (Gefängniswärters), verfügte die Anlage einst über einen mehr als 40 Meter (!) hohen Turm (mit „Marterkeller“ und Gefängniszellen), der aus dem 14. Jahrhundert zu stammen scheint und Bestandteil der Stadtmauer war. Nach langen Jahren des Verfalls und der Suche nach einer Nutzungsmöglichkeit hat sich nun mit der Christliche Hospiz Ostsachsen eGmbH ein Investor gefunden, der hier eine „Wohneinrichtung für Menschen in der letzten Lebensphase“ betreiben wird. Immerhin. Und einen Förderverein Fronfeste Bischofswerda e. V., der sich seit sieben Jahren um das Denkmal bemüht, gibt es auch: http://www.fronfeste-biw.de/index.htm

Bereits zum vierten Mal laden die Schiebocker Stadtführer am 21. Oktober 2017, 15.00 Uhr, zu ihrer „Lebendigen Stadtführung“ ein. Die seit 2014/2015 zertifizierte Gästeführer-Zunft sieht die besondere Form jener Stadtrundgänge als ihren Beitrag zum Festjahr „790 Jahre Bischofswerda“. Auf einem etwa 75-minütigen Spaziergang mit dem Stadtschreiber erwarten die Teilnehmer überraschende Begegnungen mit ehemals stadtbekannten Originalen. „Försters-Christl“ und „Buschner-Ottl“, sowie die Respekt gebietende Frau Bürgermeisterin freuen sich schon jetzt, gemeinsam mit ihre Gästen Geschichte und Geschichten auf unterhaltsame Weise erlebbar zu machen. Karten sind im Bürger- und Tourismusservice Bischofswerda (Altmarkt 1, 01877 Bischofswerda, Telefon: 03594 786-140Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!) erhältlich.

Bischofswerdas Fronfeste im September | Quelle: Bert Wawrzinek
Bischofswerdas Fronfeste im September
Quelle: Bert Wawrzinek

 

Letzte Änderung am Mittwoch, 04 Oktober 2017 16:42
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Bert Wawrzinek

Bert Wawrzinek wurde 1959 in Leipzig geboren und lebt heute im Stolpener Land.

Im ersten Leben Rockmusiker, betreibt er seit 25 Jahren das HISTORICA Antiquariat im Dresdner Barockviertel.
Für SACHSEN DEPESCHE schreibt er seit April 2016 zu Themen der sächsischen Kultur und Geschichte.

Webseite: www.sachsen-depesche.de/show/author/56-bert-wawrzinek.html
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