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Michaelstag am 29. September

Bezwinger Satans und Schutzpatron der Deutschen

Mittwoch, 26 September 2018 19:35 geschrieben von 
"Sankt Michael - das Sinnbild der deutschen Erhebung" (Bruno Heroux, 1913) "Sankt Michael - das Sinnbild der deutschen Erhebung" (Bruno Heroux, 1913) Quelle: Archiv B. Wawrzinek

Dresden – Am 29. September feiern Katholiken und Protestanten den Michaelstag ("Tag des Erzengels Michael und aller Engel"). Nach biblischer Überlieferung ist Michael (hebr. „Wer ist wie Gott?“) der Engel mit dem Schwert, der Adam und Eva aus dem Paradies trieb, den Lebensbaum bewachte – und der Bezwinger Satans. In der Johannesoffenbarung stürzen Michael und seine Engel den als Drachen bezeichneten Teufel vom Himmel auf die Erde. Der aber sinnt auf Rache, sucht die Menschen zu verführen und von Gott zu trennen. Michael aber kämpft wacker gegen das Böse, beschützt die Christen, erweckt die Toten beim Jüngsten Gericht aus den Gräbern und geleitet die Seelen gen Himmel. Im Volksglauben führt Michael eine Liste mit guten wie schlechten Taten jedes Menschen und bewacht die Pforte zum Paradies. Seinen kirchlichen Ursprung findet das Festdatum des 29. September im Weihetag der Michaelskirche an der Via Salaria in Rom.

Doch auch Ludwig der Fromme, Karls des Großen Sohn, hatte das Michaels-Fest 813 bewußt auf jenen Tag gelegt, an dem unsere germanischen Vorfahren einst ihr Herbstthing, den Herbstgerichtstag abhielten; zu Beginn der Woche, in der das Wotan geweihte Opferfest begangen ward. So blieb der Michaelstag mit dem Erntebrauchtum aus vorchristlicher Zeit verbunden, gilt im Bauernkalender bis heute als Lostag für die Wettervorhersage ("Regnet's sanft am Micheltag, folgt ein milder Winter nach"). Im Mittelalter als großer kirchlicher Feiertag begangen, hatten die Kinder zu Michaelis schulfrei, kamen die Gläubigen in die Kirchen, um Kraft für die die Herausforderungen der dunklen Jahreszeit zu schöpfen. Michael wurde zum verehrten Patron, ja zum Inbegriff der Deutschen, woraus mit der Französischen Revolution auch jene Spottgestalt vom „deutschen Michel“ entstand: bieder, beschränkt und mit charakteristischer Zipfelmütze.

Ganz anders dagegen Michael, der Führer der himmlischen Heerscharen, seiner Wehrhaftigkeit wegen auch Schutzpatron von Kriegern und Soldaten. In stählerner Rüstung steht er mit Schild und Schwert, ziert seine monumentale Skulptur als „Sinnbild der deutschen Erhebung“ den Sockel des Leipziger Völkerschlachtdenkmals. Zahlreiche Kirchen sind dem Erzengel als Schutzherrn der Römisch-Katholischen Kirche geweiht, deren bedeutendste – Saint Michel – eine Felseninsel im französischen Atlantik bekrönt. Der Legende nach ist Michael einst (708) dem Bischof von Avranches erschienen, um zu fordern, ihm auf dem Felsen eine Kapelle zu errichten. Die Normannenherzöge, welche Michael als Kriegspatron verehrten, schufen daraus eines der berühmtesten Bauwerke des Abendlandes.

Letzte Änderung am Donnerstag, 27 September 2018 10:40
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Bert Wawrzinek

Bert Wawrzinek wurde 1959 in Leipzig geboren und lebt heute im Stolpener Land.

Im ersten Leben Rockmusiker, betreibt er seit 25 Jahren das HISTORICA Antiquariat im Dresdner Barockviertel.
Für SACHSEN DEPESCHE schreibt er seit April 2016 zu Themen der sächsischen Kultur und Geschichte.

Webseite: www.sachsen-depesche.de/show/author/56-bert-wawrzinek.html
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