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Barock in Dresden

Die Dreikönigskirche in der Inneren Neustadt

Sonntag, 06 August 2017 23:40 geschrieben von 
Die Dreikönigskirche in Dresden Die Dreikönigskirche in Dresden Quelle: Bert Wawrzinek

Dresden - Die älteste und bedeutendste Pfarrkirche in Dresden-Neustadt ist die Dreikönigskirche. Ihre Ersterwähnung datiert von 1421, als Altendresden noch eine selbständige Gemeinde war und (seit 1403 ) auch das Stadtrecht besaß. Erst 1549 verfügte Kurfürst Moritz den Zusammenschluß Altendresdens mit der vis-a-vis gelegenen Stadt Dresden zur neuen Residenz der albertinischen Wettiner. Benannt wurde das Gotteshaus nach seinem ursprünglichen Altar, in dessen Mitte die Heiligen Drei Könige, die Sterndeuter des biblischen Matthäeusevangeliums, abgebildet waren. Nach dem großen Stadtbrand von 1685 stand die Kirche den Planungen Augusts des Starken für seine Neue Königsstadt im Wege, der daselbst eine barocke Prachtstraße durchzuführen gedachte. Der Kurfürst ließ den Bau abreißen und nach Plänen von Matthäus Daniel Pöppelmann 1732-1739 neu errichten. Kein Geringerer als George Bähr, der Schöpfer der Frauenkirche, hatte die eigentliche Leitung des Baues. Da die Kirche nach der Westseite der Hauptstraße hin ausgerichtet werden mußte, lag der von Johann Benjamin Thomae gestaltete Altar, nicht wie üblich im Osten, sondern im Westen der Kirchenhalle.

Über neun Achsen erstreckt sich das im Grundriß rechteckige Gotteshaus. Die Fassade gliedert sich durch quaderförmigen Verputz im Erdgeschoß, darüber streben Pilaster und hohe Stichbogenfenster zu einem imposanten Mansarddach. Ein Risalit mit Dreiecksgiebel nimmt das östliche Portal an der Hauptstraße auf, über dem eine Kartusche mit Engelsköpfchen und dem Gottesauge prunkt. Das zum Kirchplatz gelegene Westtor stammt in seinen urigen Formen vom Vorgängerbau (1712). Zacharias Hildebrandt baute in der Dreikönigskirche 1757 seine letzte Orgel (1945 zerstört). Der Turmbau war indes unvollendet geblieben. Erst 1854-1859 erhielt der Bau mit einem 87 Meter hohen, neobarocken Turm aus Sandstein seine heutige Gestalt. Dieser ist öffentlich begehbar und bietet einen reizvollen Blick bis weit über die südlichen Ausläufer Dresdens hinaus. Infolge der alliierten Luftangriffe brannte die Kirche 1945 aus und stürzte zusammen.

Lediglich in der Turmkapelle konnten in den Nachkriegsjahren Gottesdienste abgehalten werden. Erst 1984 wurde mit dem Wiederaufbau begonnen. Während das Haus seine äußeren Formen zurückerhielt, erfuhr das Kircheninnere eine völlige Umgestaltung. Lediglich ein Drittel der Vorkriegsfläche steht noch für Gottesdienste zur Verfügung. Neben dem Kirchenraum beherbergt das Mehrzweckgebäude moderne Veranstaltungsräume, die für Tagungen, Konzerte und Ausstellungen genutzt werden. Im Festsaal fand am 27. Oktober 1990 die konstituierende Sitzung des Sächsischen Landtages statt, der hier noch bis 1993 tagte. Das wohl beeindruckendste Wahrzeichen Dresdens aus alter Zeit, der berühmte „Dresdner Totentanz“, fand 1990 seinen Platz gegenüber dem Altar. Schon einmal (1705-1732) stand das 1534 geschaffene Sandsteinrelief an diesem Ort auf dem Altendresdner Friedhof und mahnte die Vorübergehenden an die Vergänglichkeit aller Zeit. Weichen mußte das Kunstwerk einem barocken Kirchenneubau, den genau dort ein sächsischer Kurfürst errichten ließ, dessen Ruhm bis heute unvergänglich geblieben ist.

Letzte Änderung am Montag, 07 August 2017 11:49
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Bert Wawrzinek

Bert Wawrzinek wurde 1959 in Leipzig geboren und lebt heute im Stolpener Land.

Im ersten Leben Rockmusiker, betreibt er seit 25 Jahren das HISTORICA Antiquariat im Dresdner Barockviertel.
Für SACHSEN DEPESCHE schreibt er seit April 2016 zu Themen der sächsischen Kultur und Geschichte.

Webseite: www.sachsen-depesche.de/show/author/56-bert-wawrzinek.html
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