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Auf dem „Balkon Europas“

Die Dresdner Sekundogenitur

Dienstag, 31 Januar 2017 23:49 geschrieben von 
Die Sekundogenitur auf der Brühlschen Terrasse in Dresden Die Sekundogenitur auf der Brühlschen Terrasse in Dresden Quelle: Bert Wawrzinek

Dresden – Ein Bauwerk von besonderem Reiz ist die von Hofbaumeister Gustav Fröhlich vor 120 Jahren (1896/97) errichtete „Sekundogenitur“ auf der Brühlschen Terrasse. Das neobarocke Bauwerk, im Stil des Rokoko aufgeführt, vermittelt eine Ahnung, wie die weltberühmte Promenade zu Zeiten Ihres Namensgebers Heinrich Graf von Brühl (1700-1763) ausgesehen haben mag.

Der allmächtige sächsische Premierminister hatte auf dem Festungswall mehrere Bauwerke errichten lassen, doch weder das imposante Palais Brühl, das Belvedere, die Galerie noch die Brühlsche Bibliothek haben sich bis in unsere Zeit erhalten. Letztere, Kunstakademie von 1791 bis 1895, war nach deren benachbartem Neubau abgetragen worden. An ihrer Stelle entstand ein Gebäude, das zunächst die Bibliothek und Kupferstichsammlung des zweitgeborenen Prinzen Johann Georg von Sachsen (1869-1938) aufnahm, wofür sich der Name „Sekundogenitur“ (zweiter Sohn) einbürgerte. 

Deren Grundriss entspricht dem des Vorgängerbaus. Mit hervortretendem Mittelteil, das ein säulen- und balkongeschmücktes Portal ziert, erstreckt sich das heiter wirkende Bauwerk über 15 Achsen entlang der Terrasse. Das kupferne Mansarddach unterstützt den Eindruck eines barocken Adelspalastes. Mit dem Ende der Monarchie wurde das Haus für Sonderausstellungen der Kunstakademie genutzt. Nachdem die Sammlungen Johann Georgs 1931 ausgelagert worden waren, diente die Sekundogenitur bis Kriegsende als Ausstellungsgebäude der Galerie Neue Meister. 

Im Jahr 1945 zerstört, wurde das Gebäude 1963/64 restauriert und als öffentliche Gaststätte wiedereröffnet. Heute lädt ein Café und Weinrestaurant des Dresdner Hilton-Hotels den pflastermüden Flaneur zum Innehalten ein.

Letzte Änderung am Dienstag, 31 Januar 2017 23:57
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Bert Wawrzinek

Bert Wawrzinek wurde 1959 in Leipzig geboren und lebt heute im Stolpener Land.

Im ersten Leben Rockmusiker, betreibt er seit 25 Jahren das HISTORICA Antiquariat im Dresdner Barockviertel.
Für SACHSEN DEPESCHE schreibt er seit April 2016 zu Themen der sächsischen Kultur und Geschichte.

Webseite: www.sachsen-depesche.de/show/author/56-bert-wawrzinek.html
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