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Zum 13. Februar 2018

Erinnerung an Gottfried Benndorf (1894-1945)

Samstag, 10 Februar 2018 00:27 geschrieben von 
Das Japanische Palais - 1945 Sitz der Sächsischen Landesbibliothek (1903) Das Japanische Palais - 1945 Sitz der Sächsischen Landesbibliothek (1903) Quelle: Archiv B. Wawrzinek

Dresden – Am 13. Februar 2018 jährt sich die Zerstörung der sächsischen Landeshauptstadt durch alliierte Bomberverbände zum 73. Mal. Dresden wurde zum Sinnbild einer europäischen Katastrophe, bei der zehntausende Menschen starben, unersetzliche Kunstschätze und mehr als 12 000 Gebäude zerstört wurden. Während das Leid der Dresdner Zivilbevölkerung nach Jahren der Umdeutung zunehmend in den Hintergrund gerät, wird alljährlich um das „richtige“ Gedenken gestritten. Jenseits der aufgeregten Diskussion um „Schuld“ oder „Unschuld“ der Opfer aber gab es in jener Bombennacht stille Helden, die inmitten des Feuersturms ihren Mitmenschen zu Hilfe eilten und dabei selbst den Tod fanden: Feuerwehrleute, Luftschutzmelder, Krankenschwestern; Angestellte, die das ihnen Anvertraute zu schützen suchten, wie den Bibliothekar Gottfried Benndorf.

In Roitzschen bei Meißen am 12. April 1894 geboren, besuchte der Sohn eines Eisenbahnbeamten die 9. Dresdner Bürgerschule und das König-Georg-Gymnasium, wo er 1913 das Abitur ablegte. Anschließend studierte Benndorf an der Leipziger Universität Germanistik, Geschichte und Geographie und promovierte 1918 mit einer Arbeit über den kolonialen Verkehr Deutsch-Ostafrikas zum Dr. phil. Die angestrebte Lehrertätigkeit wurde ihm durch eine Kehlkopferkrankung unmöglich. Als Assistent am Historischen Seminar in Leipzig hatte er eine Affinität zur Bibliotheksarbeit entwickelt und sich an der Sächsischen Landesbibliothek (SLB) in Dresden beworben. Als eine der ältesten deutschen Büchereien war diese wesentlich aus der kurfürstlichen Bibliothek hervorgegangen, welche von 1786 an im Japanischen Palais in Dresdens Innerer Neustadt Platz gefunden hatte.

Benndorf begann seine Laufbahn 1919 als Volontär, wurde 1924 zum wissenschaftlichen Hilfsarbeiter ernannt und im April 1927 Landesbibliothekar. Bereits im Vorjahr fand er als Vorstand der Kartensammlung Erwähnung, die bis 1945 seine Hauptaufgabe blieb. Unter seiner Leitung kaufte die SLB 1928 ca. 250 Karten – meist Saxonica - aus der aufgelösten Sekundogeniturbibliothek des vormaligen Königshauses. Deren Bibliothekarin Helene Richter heiratete Benndorf 1929, aus der Ehe gingen zwei Kinder hervor. In der Nacht vom 13. zum 14. Februar teilt das Japanische Palais das Schicksal der Dresdner Innenstadt. Nachdem der Dachstuhl Feuer gefangen hatte, gehörte Benndorf zu den vier Bibliotheksangehörigen, die bei den Löscharbeiten ums Leben kamen. Erst nach einem Jahr, am 9. Mai 1946, konnten ihre sterblichen Überreste – „Knochen und Knochenkalk“ - gefunden werden. Helene Benndorf hat ihren Mann noch identifizieren können, der in Radebeul seine letzte Ruhe fand.

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Bert Wawrzinek

Bert Wawrzinek wurde 1959 in Leipzig geboren und lebt heute im Stolpener Land.

Im ersten Leben Rockmusiker, betreibt er seit 25 Jahren das HISTORICA Antiquariat im Dresdner Barockviertel.
Für SACHSEN DEPESCHE schreibt er seit April 2016 zu Themen der sächsischen Kultur und Geschichte.

Webseite: www.sachsen-depesche.de/show/author/56-bert-wawrzinek.html
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