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Zum 12. März

Erinnerung an Papst Gregor den Großen (540-604)

Dienstag, 06 März 2018 20:14 geschrieben von 
Gregor der Große  Holzstich (1881) Gregor der Große Holzstich (1881) Quelle: Archiv B. Wawrzinek

Dresden - Um 540 in Rom als Sohn eines Senators aus dem Patriziergeschlecht der Anicii geboren, stand Gregor (eigtl. Gregorius) nach einer rhetorischen und juristischen Ausbildung bereits mit 30 Jahren als Präfekt an der Spitze der römischen Zivilverwaltung. Nach dem Tod des Vaters (575) legte er seine Ämter nieder, stiftete auf Sizilien sechs Klöster und errichtete im elterlichen Palast auf dem Monte Celio ein Andreaskloster, in das er sich als Mönch zurückzog. Zum Diakon geweiht, wurde Gregor 579 von Papst Pelagius II. für sechs Jahre zu dessen Stellvertreter beim Kaiser in Konstantinopel berufen und schließlich 590 zum Papst gewählt. Als „Knecht der Knechte Gottes“ entfaltete er beeindruckende Aktivitäten in Politik, Kirche und der Armenfürsorge.

Ein Hauptanliegen war ihm der Friede mit den germanischen Langobarden, die 592/593 Rom belagerten. Durch Zahlung eines jährlichen Tributes konnte Gregor deren Invasion abwenden und bahnte mit Hilfe der langobardischen Königin Theodelinde, einer katholischen bayerischen Prinzessin, den Übertritt der arianischen Langobarden zum katholischen Bekenntnis den Weg. Ebenso initiierte Gregor die Christianisierung der Angelsachsen, denen er 597 Augustinus von Canterbury, den Abt seines Familienklosters, mit 39 Mönchen nach England sandte. Nicht zuletzt organisierte er die päpstliche Verwaltung neu, die fortan nur aus Klerikern und Mönchen bestehen durfte. Unter seiner Führung wurden die päpstlichen Ländereien zu einem einheitlichen Ganzen - dem Grundstein des Kirchenstaates - zusammengeschlossen, übernahm das Papsttum die politische Macht in Italien.

Gregor verfaßte zahlreiche Werke zur Seelsorge und Moraltheologie, weshalb er zu den Kirchenlehrern und neben den Heiligen Ambrosius, Augustinus und Hieronymus zu den vier lateinischen Kirchenvätern gezählt wird. Indes galt sein besonderes Interesse der Liturgie, in die er die Gregorianischen Choräle (einstimmige lateinische Gesänge) einführte. Die Liste der Todsünden - Hochmut, Völlerei, Neid, Zorn, Trägheit, Geiz, Wollust - geht auf ihn zurück. Bis in unsere Zeit stehen Predigten Gregors im Brevier der katholischen Kirche, werden Gregorianische Messen für Verstorbene gelesen. 1295 wurde der vielleicht meistverehrte Papst aller Zeiten heiliggesprochen. Sein Gedenktag, der ursprünglich in die Fastenzeit fiel, verschob sich im Zuge der Kalenderreform 1969 auf den Jahrestag seiner Papstweihe, den 3. September.

Durch seine Gelehrsamkeit war Gregor auch zum Schutzheiligen der Lehrer, Studenten und Schüler geworden. Vom 16. Jahrhundert an verlegte man daher den bislang am 28. Dezember gefeierten Schülerfesttag auf den 12. März, seinen Namenstag. Die Schule unterstand bei diesem (auch in evangelischen Gebieten gefeierten) Gregorsfest dann einem Knabenrektor, der wie sein erwachsenes Pendant ebenfalls mit Schulschlüssel und Rute ausgestattet wurde. Die Rollen waren also vertauscht, in dem sich die Schüler entsprechend ihren angestrebten Berufen als Pfarrer, Lehrer, Arzt, Künstler, Jurist oder Handwerker verkleideten, während der für einen Tag abgesetzte Rektor der Schülerschaft eine komplette Mahlzeit spendieren mußte. In der DDR kehrte sich dieser Brauch dann um, als an jedem 12. Juni, dem Tag des Lehrers, die Schüler den Lehrern gratulierten und von den Eltern mitgegebene kleine Geschenke zu überreichen hatten. 1989 ist auch der Tag des Lehrers untergegangen. Geblieben aber ist die Erinnerung an einen bedeutenden römischen Papst zwischen Antike und Mittelalter, der am 12. März 604 in Rom gestorben ist.

Letzte Änderung am Dienstag, 06 März 2018 20:20
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Bert Wawrzinek

Bert Wawrzinek wurde 1959 in Leipzig geboren und lebt heute im Stolpener Land.

Im ersten Leben Rockmusiker, betreibt er seit 25 Jahren das HISTORICA Antiquariat im Dresdner Barockviertel.
Für SACHSEN DEPESCHE schreibt er seit April 2016 zu Themen der sächsischen Kultur und Geschichte.

Webseite: www.sachsen-depesche.de/show/author/56-bert-wawrzinek.html
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