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Aus dem Stolpener Land

Galgenberg und Götzenstein bei Rennersdorf

Mittwoch, 01 November 2017 22:59 geschrieben von 
Der Götzenstein bei Rennersdorf Der Götzenstein bei Rennersdorf Quelle: Bert Wawrzinek

Stolpen – Rechts der Landstraße, die von Rennersdorf hinauf zur Burgstadt führt, erhebt sich an dem Flusse Wesenitz der Galgenberg, ein mit hohen Bäumen bewachsener Hügel. Einst stand hier der Galgen des Amtes Stolpen, wurden die zum Tode verurteilten Delinquenten des Stolpener Gerichtsbezirks – gehängt! Der Abschreckung wegen vollzog man Todesurteile für Mord, Raub, Brandstiftung und Vergewaltigung in aller Öffentlichkeit und beließ die Gehängten gut sichtbar am Ort ihrer Hinrichtung. Doch damit nicht genug.

Unterhalb des Galgenberges, in der Wesenitz, wurde eine nicht minder grausige Form der Todesstrafe praktiziert, das schon in der Antike bekannte „Säcken“. Nackt nähte man den Verurteilten in einen ledernen Sack, mit ihm eine lebende Katze oder Otter. Nachdem die unglücklichen Kreaturen ins Wasser geworfen waren, vollzog sich so, unsichtbar für die Zuschauer, ein Todeskampf, dessen Schrecken sich unsere Phantasie leicht auszumalen vermag. Am 27. Mai 1596 soll der Dresdner Scharfrichter an dieser Stelle jene grausame Strafe an einer Magd aus Langenwolmsdorf vollzogen haben.

Auf der Kuppe des Berges aber liegt noch immer ein mächtiger Granitblock, der „Götzenstein“ mit einer muldenförmigen Aushöhlung, jener sogenannten „Blutwanne“ (auch „Blutrinne“). Der Überlieferung nach wurde damit das Blut geopferter Tiere oder Menschen aufgefangen, befand sich daselbst in alter Zeit eine heidnische Kultstätte, deren Herkunft ganz im Dunkel liegt. Waren es germanische Hermunduren, die an diesem Ort ihren Göttern opferten oder westslawische Milzener, die Vorfahren unserer Sorben, welche mit der Völkerwanderung hier ihre Heimat gefunden hatten? Verehrte man Wodan oder Czorneboh?

Still liegt der geheimnisvolle Platz. Stumm bleiben Berg und Stein, steht der Wanderer fragend vor der Zeit. Indes ein paar Meter weiter, dicht an dicht, die Blechlawine der Automobilisten ungerührt vorüberdröhnt ...

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Bert Wawrzinek

Bert Wawrzinek wurde 1959 in Leipzig geboren und lebt heute im Stolpener Land.

Im ersten Leben Rockmusiker, betreibt er seit 25 Jahren das HISTORICA Antiquariat im Dresdner Barockviertel.
Für SACHSEN DEPESCHE schreibt er seit April 2016 zu Themen der sächsischen Kultur und Geschichte.

Webseite: www.sachsen-depesche.de/show/author/56-bert-wawrzinek.html
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