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Sachsens schönster Barockpark

Großsedlitz zeigt Original-Skulpturen

Mittwoch, 17 Mai 2017 00:23 geschrieben von 
Schloss Großsedlitz, Lithographie (1837) Schloss Großsedlitz, Lithographie (1837) Quelle: Privatarchiv Bert Wawrzinek

Großsedlitz – „Sachsens Versailles“ – liegt eine halbe Autostunde südöstlich von Dresden, im gleichnamigen Heidenauer Stadtteil. Die bedeutendste sächsische Gartenschöpfung umfasst 18 Hektar und gilt als eine der authentischsten Barockanlagen Deutschlands. Für seinen Ruhesitz ließ Reichsgraf August Christoph von Wackerbarth, Bauminister Augusts des Starken, von 1719 bis 1723 – wohl durch Johann Christoph Knöffel – ein dreiflügeliges Schloss, eine Orangerie und Teile einer großangelegten Gartenanlage errichten.

Im Jahr 1723 erwarb August der Starke das gesamte Besitztum, das Teil eines umfangreichen Schlossbauprogrammes wurde, in dem der Kurfürstkönig seinem Machtanspruch Ausdruck verlieh und Großsedlitz als Ordensschloss für die Stiftungsfeste des polnischen Weißen-Adler-Ordens erkor. Wieder wurde geplant (Zacharias Longuelune) und gebaut und einmal – am 3. August 1727 – ein eintägiges Fest gefeiert. Während ein Schlossneubau aus Kostengründen unterblieb, lag der Schwerpunkt auf dem Gartenausbau (wozu zeitweise 1.200 Soldaten der Dresdner Garnison bei Erdarbeiten eingesetzt wurden), entstand nach französischem Vorbild eine Gartenlandschaft als Gesamtkunstwerk mit Bosketten, Rasenflächen, Heckenwänden, Kaskaden, Wasserkünsten und Skulpturen. 1732 wurden die – unvollendeten – Arbeiten eingestellt, da der Kurfürst das Interesse verloren hatte.

Nach dem Tod Augusts des Starken führte sein Sohn Friedrich August II. die Tradition der Stiftungsfeste fort. Ab 1750 verfiel die Anlage, schwere Schäden brachten der Siebenjährige Krieg und die Napoleonische Zeit. Mit Einführung der Verfassung von 1831 fiel das königliche Kammergut Großsedlitz an den sächsischen Staat. Garten und Schloss blieben der königlichen Familie zur freien Nutzung vorbehalten, und doch wurde der Park bald zum beliebten Ausflugsziel Pirnaer Bürger. Das verfallenene Schloss wurde 1871 abgerissen und anstelle dessen ursprünglichen Ostflügels das zweigeschossige Friedrichsschlösschen errichtet.

Restaurierungen erfolgten nach dem Zweiten Weltkrieg, mit der Übernahme durch den Freistaat Sachsen (1992) begannen umfangreiche Instandsetzungs- und Rekonstruktionsarbeiten. Nachdem ein strenger Winter 1928/29 die letzten Orangenpflanzen vernichtet hatte, deren Zahl in der Barockzeit bis zu 1.250 betrug, wurden erneut 145 Bitterorangen-Bäumchen und 300 Kübelpflanzen angeschafft, die sommers wieder den Garten schmücken. Der Großsedlitzer Park hat damit nicht nur die größte Sammlung von Bitterorangen im deutschsprachigen Raum, sondern verfügt auch über eine faszinierende Vielfalt barocker Skulpturen. Mehr als 60 Figuren und Vasen, darunter Kunstwerke der Hofbildhauer Johann Christian Kirchner und Johann Benjamin Thomae, tragen zur besonderen Atmosphäre der Gartenlandschaft bei.

Allein für deren Erhalt und Sicherung stellte der sächsische Freistaat in den letzten beiden Jahren etwa 130.000 Euro zur Verfügung. Seit kurzem werden im Barockgarten 16 besonders wertvolle Steinskulpturen gezeigt, die sorgsam restauriert wurden und dem – zur Erinnerung an das Fest des Polnischen Weißen-Adler-Ordens – an jedem ersten Augustwochenende stattfindenden Gartenfest – zusätzlichen Glanz verleihen.

Weitere Informationen findet man auf der Internetseite des Barockgartens: https://www.barockgarten-grosssedlitz.de

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Bert Wawrzinek

Bert Wawrzinek wurde 1959 in Leipzig geboren und lebt heute im Stolpener Land.

Im ersten Leben Rockmusiker, betreibt er seit 25 Jahren das HISTORICA Antiquariat im Dresdner Barockviertel.
Für SACHSEN DEPESCHE schreibt er seit April 2016 zu Themen der sächsischen Kultur und Geschichte.

Webseite: www.sachsen-depesche.de/show/author/56-bert-wawrzinek.html
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