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Kunst in Dresden

Künstlerbücher von Hanif Lehmann in der Buchhandlung LeseZeichen

Samstag, 12 Mai 2018 05:33 geschrieben von 
„Kostnice – ein Haus in Sedlec – Bericht eines Besuchers“ „Kostnice – ein Haus in Sedlec – Bericht eines Besuchers“ Quelle: Bert Wawrzinek

Dresden – Manchmal hält er aufschauend inne, seltsam überrascht, angesichts eines erwartungsvoll harrenden Publikums, um seinen Vortrag schließlich in rührender Umständlichkeit fortzusetzen. Eindrucksvoll nimmt sich dagegen jener Stapel bedruckten Papiers aus, der diesem Mittwochabend in der Dresdner Buchhandlung LeseZeichen (Prießnitzstraße 56) den eigentlichen Anlaß gibt: farbfrisch duftende Foliobögen aus einem neuen Künstlerbuch von Hanif Lehmann.

Der 1971 im sächsischen Rochlitz geborene Maler und Grafiker wuchs in der Oberlausitz auf und studierte 1989 bis 1998 an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden. Zu Lehmanns Lehrern zählen Claus Weidensdörfer, Siegfried Klotz und Wolfram Hänsch; doch erst der Typograph und Buchgestalter Horst Schuster brachte den jungen Künstler zu seiner eigentlichen Profession, dem Büchermachen.

Das sei jetzt „circa 20 Jahre“ her, so Lehmann bescheiden, nur spricht das Verzeichnis seiner „Widukind Presse Dresden“ von allein 62 Arbeiten, die sämtlich im Handsatz und mit Originalgrafiken versehen, in exklusiven Kleinauflagen von 25 bis 40 Exemplaren, seit 1995 in Radebeul und Dresden entstanden sind. Vor allem finden sich darunter Gedicht- und Landschaftsbände, und neben eigenen Texten sind es Werke von Paul Verlaine, Stefan George, Ezra Pound und Friedrich Nietzsche, deren Gedankenwelt ihn zu künstlerischer Auseinandersetzung anregten.

„Kostnice – ein Haus in Sedlec – Bericht eines Besuchers“ lautet der Titel des nun vorgestellten Buches, worin ein Aufenthalt im Sedletz-Ossarium, einem Beinhaus der Allerheiligenkirche in Sedletz bei Prag, beschrieben wird. Es ist ein Sujet so recht nach dem Geschmack des Künstlers, der nicht zufällig an den Buchillustrator Alfred Kubin (1877-1959) erinnert, dessen düster-romantisches Frühwerk in Lehmanns Radierungen eine unzeitgemäße Fortsetzung finden mag.

Schroff und verstörend auch jene Bilderwelt des Dresdners, die man dem sanft lächelnden großen Jungen nicht zutrauen möchte. Im Loschwitzer Künstlerhaus fand er sein Domizil und lebt ganz unbeirrt, zwischen Druckmaschinen, Handpressen und Setzkästen, der Kunst und schönen Büchern. Besuchen Sie ihn doch mal im Atelier! (Pillnitzer Landstraße 59, 01326 Dresden, Tel. 0351 / 8305700, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!)

Künstlerbücher von Hanif Lehmann | Quelle: Bert Wawrzinek
Künstlerbücher von Hanif Lehmann
Quelle: Bert Wawrzinek

 

Letzte Änderung am Samstag, 12 Mai 2018 05:42
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Bert Wawrzinek

Bert Wawrzinek wurde 1959 in Leipzig geboren und lebt heute im Stolpener Land.

Im ersten Leben Rockmusiker, betreibt er seit 25 Jahren das HISTORICA Antiquariat im Dresdner Barockviertel.
Für SACHSEN DEPESCHE schreibt er seit April 2016 zu Themen der sächsischen Kultur und Geschichte.

Webseite: www.sachsen-depesche.de/show/author/56-bert-wawrzinek.html
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