Login

sachsen-depesche.de

Freigegeben in Kunst & Kultur

Rocktrio um Mike Demnitz spielte im „Heavy Duty“

Konzertreport: MCB in Dresden

Mittwoch, 02 November 2016 18:50 geschrieben von 
Immer am Bass: Mike Demnitz (MCB) Immer am Bass: Mike Demnitz (MCB) Quelle: Bert Wawrzinek

Dresden – Pure Energie – gab es am vergangenen Sonnabend (29.10.2016) im „Heavy Duty“ in der Dresdner Louisenstraße, der Location für eine Reise in die Gefilde schwermetallischer Rockmusik. Dicht an dicht, saßen und standen gut gelaunte große Jungs und kecke Mädchen – mittlere Jahrgänge dominierten –, füllten Thekenraum und Kellergeschoss der sympathischen Metalkneipe. Zeitlos schienen das selbstbewusst getragene, lange Haar und die charakteristischen Accessoires der Szene. Zeitlos auch die Band des Abends, das 1983 gegründete Rocktrio MCB um den charismatischen Bassisten Mike Demnitz. Nach Jahren der Pause starten die Dresdner Musiker gerade wieder durch.

Als die ersten Takte des Motörhead-Klassikers „Ace of Spades“ durch den Keller wummerten, war das Publikum da, flogen Arme in die Höhe, vibrierten Körper im Rhythmus der Musik. Geboten wurde eine Mischung aus alten und neuen eigenen Stücken, kompromisslos harter Rock mit hintergründigen Texten. So erklangen auch „Sophie, mein Henkersmädel“ (Text von Christian Morgenstern) und „Die Nacht der Wölfe“. Ausgewählte Coverversionen im MCB-Gewand („Red“ von King Crimson!) rundeten das Programm ab. Mike Zühlke an der Gitarre und der Drummer Basti Pfund lieferten unaufgeregt ein solides Fundament, auf dem der vitale Bassvirtuose Demnitz (am fünfsaitigen „Warwick Streamer“) dem Ganzen dann die charakteristische Hochspannung verlieh, obligatorisches „Bassgewitter“ inbegriffen.

Der Mann ist ein Phänomen. Obschon seit den 1960er Jahren mit „unbefristetem Republik-Spielverbot“ belegt, durchlief Demnitz mehr als ein Dutzend Bands, darunter „Elektra“ und „Reform“, wurde 1978 gar „Bester Rock-Bass-Gitarrist der DDR“! Er habe sich nie als „Künstler“ gesehen, wollte „einfach nur Musik machen“, verrät uns der Protagonist sein Credo. Die Zeit jedenfalls, scheint dem jugendlich wirkenden Musiker dabei kaum etwas anhaben zu können. Kein Zweifel, „der Mike“ ist Dreh- und Angelpunkt der Show und MCB sein ureigenstes Projekt.

Nach zweimal 60 Minuten Musik beschließt die „Heavy Mörtel Mischmaschine“, eine urige Eigenkomposition aus der Frühzeit der Band, den Abend. Am Mikrofon diesmal ein blonder Recke aus dem lauthals einstimmenden Publikum, was der allgemeinen Begeisterung keinen Abbruch tut, im Gegenteil! Dann ist der dröhnende Zauber vorbei…

„Wie vor 15 Jahren“, kiekste eine Blondine am Musikantentisch zum Abschied angetan. Stimmt, denn all dies hätte, in dieser Form, ebenso vor längst vergangener Zeit stattfinden können. Denn hier, im Heavy-Metal-Kosmos unterhalb der Louisenstraße, ist man sich selbst genug, schätzt das Authentische, lebt eine Tradition abseits der Tagesmoden. Nicht anders die drei Musiker von MCB, die sich mit einem gelungenen Konzert unüberhörbar bei ihren Fans zurückgemeldet haben.

Zum Nachhören gibt es hier nochmal „Gelbkreuz des Südens“ von MCB: www.youtube.com/watch?v=AGz_4K6-xkU

 

MCB: Mike Zühlke, Basti Pfund, Mike Demnitz (v.l.n.r.)   Quelle: Bert WawrzinekMCB: Mike Zühlke, Basti Pfund, Mike Demnitz (v.l.n.r.)
Quelle: Bert Wawrzinek

Letzte Änderung am Freitag, 04 November 2016 20:59
Artikel bewerten
(37 Stimmen)
Bert Wawrzinek

Bert Wawrzinek wurde 1959 in Leipzig geboren und lebt heute im Stolpener Land.

Im ersten Leben Rockmusiker, betreibt er seit 25 Jahren das HISTORICA Antiquariat im Dresdner Barockviertel.
Für SACHSEN DEPESCHE schreibt er seit April 2016 zu Themen der sächsischen Kultur und Geschichte.

Webseite: www.sachsen-depesche.de/show/author/56-bert-wawrzinek.html
Gelbkreuz des Südens Mike Demnitz
Bitte anmelden, um einen Kommentar zu posten

TEAM