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Linke Szene irritiert, dass der israelisch-amerikanische Autor auch bei Rechten auftritt

Leipziger „Conne Island“ sagt Buchlesung mit Tuvia Tenenbom ab

Freitag, 05 Mai 2017 20:52 geschrieben von 
Der Buchautor Tuvia Tenenbom Der Buchautor Tuvia Tenenbom Quelle: YouTube (Screenshot)

Leipzig – Eigentlich hätte der israelisch-amerikanische Erfolgsautor Tuvia Tenenbom am Mittwoch im linken Leipziger Veranstaltungszentrum „Conne Island“ aus seinem neuen Buch „Allein unter Flüchtlingen“ (Rezension: https://www.sachsen-depesche.de/kultur/„allein-unter-flüchtlingen“-–-tuvia-tenenboms-„entdeckungsreise“-durch-deutschland.html) lesen sollen. Weil den Veranstaltern aber offenbar nicht passte, dass Tenenbom nur wenige Tage später auf dem Rittergut Schnellroda des rechten Verlegers Götz Kubitschek (Verlag Antaios) auftritt, sagten sie die Buchlesung kurzerhand ab.

In einer Erklärung des Connewitzer Veranstaltungszentrums heißt es dazu: „Am vergangen Freitag, 28.04., erfuhren wir sowie die Gruppe ‚Rassismus tötet!‘ / Leipzig, dass Tuvia Tenenbom am 06.05. in Schnellroda bei der ‚Sezession‘ von Götz Kubitschek und Ellen Kositza auftreten wird. Daraufhin erbat ‚Rassismus tötet!‘ / Leipzig ein Statement seitens Tuvia Tenenbom, was sie bisher nicht erhielten. Für die Gruppe ist, aufgrund des ausbleibenden Statements, die Veranstaltung so nicht umsetzbar. Mit dieser Information trat sie am Dienstag, 02.05., zum Plenum des Conne Island an uns heran. Wir als Conne Island können so kurzfristig die Auseinandersetzung mit dem Buch ‚Allein unter Flüchtlingen‘ sowie der darin angesprochenen Themen nicht organisieren, weshalb wir uns dafür entschieden haben, die Veranstaltung zu verschieben.“

Nun könnte man auf die Idee kommen, dass Meinungspluralismus nicht gerade zu den Tugenden der linken Szene in Leipzig zählt. Deutlich machten dies die Connewitzer und ihre politische Fürsprecherin, die LINKE-Landtagsabgeordnete Juliane Nagel, ihres Zeichens auch Betreiberin des Antifa-Büros „Linxxnet“ in der Bornaischen Straße am Connewitzer Kreuz, schon des Öfteren, etwa wenn es um Auftritte „umstrittener“ Neofolk-Bands im Rahmen des WGT oder des „Runes & Men“-Festivals ging. Das Interesse an vermeintlich „rechten“ Kulturevents ist bei den Autonomen und Linksradikalen in Leipzig jedoch merklich zurückgegangen. Zum einen hat es sich wohl inzwischen bis nach Connewitz herumgesprochen, dass solche Veranstaltungen gar nicht „rechts“ oder überhaupt politisch sind, zum anderen haben die Linken derzeit mit der AfD alle Hände voll zu tun.

Man darf gespannt sein, ob die Lesung im „Conne Island“ überhaupt nachgeholt wird. Zu wünschen wäre es, denn Tenenbom hat nicht nur eine flotte Schreibe, er ist auch sonst höchst unterhaltsam – und ein angenehmer, wenn auch nicht immer ganz leichter Gesprächspartner. Er führt die Leute halt gerne mal aufs Glatteis. Und dass er dabei gleichermaßen nach Links wie nach Rechts austeilt, ist doch eigentlich nur gerecht.

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Roxana Miller

Roxana Miller wurde 1985 in Minsk/Weißrussland geboren.

Klassisches Ballett ist ihre Leidenschaft.

Sie studierte Germanistik (Universität Minsk) und später Slawistik (Universität Jena).

Seit Januar 2015 arbeitet sie für unsere Redaktion.

Webseite: www.sachsen-depesche.de/show/author/42-roxana-miller.html
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