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Denkmalschutz in Sachsen

"Sächsische Landsitze“ im Dresdner Ständehaus

Donnerstag, 25 Januar 2018 21:14 geschrieben von 
Schloß Döben bei Grimma 1839 (1971 gesprengt), Lithographie Schloß Döben bei Grimma 1839 (1971 gesprengt), Lithographie Quelle: Archiv B. Wawrzinek

Dresden – Noch bis zum 2. März 2018 läuft die Jahresausstellung „Sächsische Landsitze“ des Landesamts für Denkmalpflege (LfD) im Dresdner Ständehaus. Landschlösser und Herrenhäuser adeliger oder bürgerlicher Besitzer zählten und zählen mit ihren Wirtschaftsgebäuden und Gärten zu den überragenden Bauten einer vielgestaltigen Denkmallandschaft. Die Exposition stellt mit rund 45 Objekten eine Auswahl von ehemals über 800 sächsischen Herrensitzen vor, die anhand großformatigerZeichnungen aus dem Bestand der wissenschaftlichen Plansammlung des Landesamts dokumentiert werden. Gezeigt werden erhaltene und sanierte Landsitze, in ihrer Bausubstanz gefährdete und vernichtete Objekte, zuletzt auch „Luftschlösser“, d. h. Planungen, die nie zur Ausführung gelangten.

Erschütternd wirkt dabei der Aderlaß, den gerade die über ganz Sachsen verstreuten Bauten und ihre Eigentümer nach Ende des Zweiten Weltkrieges erleben mußten. Beraubt, enteignet und interniert, durften die „Gutsbesitzer“, denen die neuen Machthaber unter der Regie der Besatzungsmacht ihre Existenzgrundlagen entzogen, vom Glück sagen, wenn sie lebend in den Westen flüchten konnten. Fast der gesamte Adel wurde so aus seiner angestammten Heimat vertrieben. Die verhaßten „Zwingburgen der Junker“ (Wilhelm Pieck) aber sahen einem ungewissen Schicksal entgegen. Allein zwischen 1947 und 1951 sind 120 sächsische Landsitze bewußt zerstört und abgetragen worden.

Eine lange Reihe berührender Photos erinnert stellvertretend an jene Schlösser, die dieser planmäßigen Vernichtung zum Opfer fielen. Und doch gelang es, fehlenden Baukapazitäten zum Trotz und dank engagierter Helfer vor Ort, an die 600 Landsitze der Nachwelt zu erhalten. Auch wenn manche ehrwürdige Ruine noch aus dem Dornröschenschlaf erwachen muß, nicht wenige Schloßbauten wurden nach der Wiedervereinigung instandgesetzt und zeugen vom Geschick der Bauherren und dem Zauber längst versunkener Zeit.

 

Ständehaus Dresden, Schloßplatz 1, Erdgeschoss

Öffnungszeiten: Montag bis Donnerstag10.00 -17.30 Uhr und Freitag 10.00-16.00 Uhr. Freier Eintritt. Ein Rahmenprogramm bietet noch folgende Vorträge:

Mittwoch, 7. Februar 2018, 17.00 Uhr
Barockskulpturen sächsischer Landsitze
Dr. Hartmut Ritschel, Landesamt für Denkmalpflege Sachsen

Mittwoch, 28. Februar 2018, 17.00 Uhr
Garten- und Parkanlagen an Sächsischen Landsitzen
Henrike Schwarz, Landesamt für Denkmalpflege Sachsen

Letzte Änderung am Donnerstag, 25 Januar 2018 23:21
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Bert Wawrzinek

Bert Wawrzinek wurde 1959 in Leipzig geboren und lebt heute im Stolpener Land.

Im ersten Leben Rockmusiker, betreibt er seit 25 Jahren das HISTORICA Antiquariat im Dresdner Barockviertel.
Für SACHSEN DEPESCHE schreibt er seit April 2016 zu Themen der sächsischen Kultur und Geschichte.

Webseite: www.sachsen-depesche.de/show/author/56-bert-wawrzinek.html
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