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Sächsische Köpfe

Zur Erinnerung an Fritz von Uhde (1848-1911)

Freitag, 18 Mai 2018 02:55 geschrieben von 
Fritz von Uhde, Selbstbildnis 1898 (Ausschnitt) Fritz von Uhde, Selbstbildnis 1898 (Ausschnitt) Quelle: Archiv B. Wawrzinek

Dresden – Am 22. Mai vor 170 Jahren wurde Fritz von Uhde als einziger Sohn des Gerichtsdirektors Bernhard von Uhde auf Schloß Wolkenburg in Sachsen geboren. Das ererbte künstlerische Talent des Jungen förderten die Eltern frühzeitig. Er erhielt Zeichenunterricht und besuchte das Vitzthumsche Gymnasium in Dresden. Nach dem Abitur und einem kurzen Intermezzo an der Dresdner Kunstakademie trat der junge Mann 1867 in das sächsische Gardereiterregiment ein, um Offizier zu werden. Als Unterleutnant zog er mit den Gardereitern 1870 in den Deutsch-französischen Krieg, als Rittmeister nahm er 1878 seinen Abschied. Seine künstlerischen Studien setzte er in München fort.

1879 ging Uhde nach Paris zu Mihály von Munkácsy, der ein wichtiger Lehrmeister werden sollte. Max Liebermann, der spätere Freund, wird ihn zu Naturalismus und Freilichtmalerei führen. Im Mai 1880 heiratete der Künstler Amelie Endres (1849-1886). Durch den Anblick eines an einer Dorfschule unterrichtenden Landgeistlichen fand der Maler zum Themenkreis religiöser Kunst. In seinen Bildern versetzte Uhde die Gestalt des Heilands in die schlichte Welt deutscher Bauern und Handwerker, provozierte damit bei der konservativen protestantischen Geistlichkeit heftigen Widerspruch. Das Publikum aber reagierte begeistert. Bereits sein erstes biblisches Motiv „Lasset die Kindlein zu mir kommen“ (1884) wurde gefeiert und innerhalb von zwei Jahren in mehr als 10 000 Reproduktionen verkauft. Die Poesie der Szene rührt unser Herz, die anmutige Schönheit der Kinder, das Zutrauen, mit dem die sonnenübertrahlte Kleine dem Gottessohn die Hand reicht, ein im Heiligen ruhender Gleichklang, den wir heute nicht mehr kennen.

"Lasset die Kindlein zu mir kommen" (1884)
Quelle: Archiv B. Wawrzinek

 

Nach dem frühen Tod der Gattin lebte Uhde zurückgezogen seiner Kunst und der Erziehung der drei Töchter. In Percha am Starnberger See erwarb der Maler ein Landhaus, wo er meist die Sommer verbrachte. Hier entstanden impressionistisch geprägte Genrebilder, zu denen ihm seine Familie und das eigene Heim stimmungsvolle Motive boten. Uhde gehörte zu den Mitbegründern der Münchener Secession, erhielt den Professorentitel und wurde mit einem Lehrauftrag an der Münchner Kunstakademie betraut. Mit 53 Gemälden und Pastellen präsentiert die Münchener Secession 1907 die einzige, je veranstaltete Gesamtschau seines, zwischen Realismus und Impressionismus angelegten, künstlerischen Werkes. Am 25. Februar 1911 starb Fritz von Uhde in München, auf dem dortigen Waldfriedhof fand er seine letzte Ruhe.

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Bert Wawrzinek

Bert Wawrzinek wurde 1959 in Leipzig geboren und lebt heute im Stolpener Land.

Im ersten Leben Rockmusiker, betreibt er seit 25 Jahren das HISTORICA Antiquariat im Dresdner Barockviertel.
Für SACHSEN DEPESCHE schreibt er seit April 2016 zu Themen der sächsischen Kultur und Geschichte.

Webseite: www.sachsen-depesche.de/show/author/56-bert-wawrzinek.html
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