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Sachsens volkstümlichster General

Zur Erinnerung an Generaloberst Max Freiherr von Hausen (1846-1922)

Mittwoch, 14 Dezember 2016 17:45 geschrieben von 
Max von Hausen, August 1914 Max von Hausen, August 1914 Quelle: Privatarchiv Bert Wawrzinek

Dresden – Am 17. Dezember vor 170 Jahren wurde Max Clemens Lothar Freiherr von Hausen als Sohn des späteren sächsischen Generals und Dresdner Stadtkommandanten Clemens Heinrich Lothar von Hausen und dessen Ehefrau Anna Wilhelmine in Dresden geboren. Die uradelige Familie entstammt dem lothringischen Raum und trat Anfang des 19. Jahrhunderts in sächsische Dienste. Zu den wohlhabenden Familien Sachsens haben die Freiherren von Hausen indes nie gehört. „Reich an Ehren, aber arm an Gut widmeten sie ihr Leben dem Heeresdienste und dem Vaterlande.“ (A. Brabant). Ihrem sächsischen Vaterland stellte das Geschlecht in einem Jahrhundert 18 Offiziere, darunter sechs Generäle.

Nach dem Besuch der Königlich Sächsischen Kadettenanstalt trat Max von Hausen 1863 in das 3. Jägerbataillon ein und erlebte als Offizier die Einigungskriege von 1866 und 1870/71. Die sich anschließende Ausbildung an der Preußischen Kriegsakademie beendete er mit einem hervorragenden Zeugnis, worauf den jungen Hauptmann eine Berufung zum Großen Generalstab erwartete. In Berlin lernte er Marie von Salviati kennen und lieben, aus der Ehe sollten drei Töchter hervorgehen. 

Vom Mai bis Oktober 1878 zur 23. Division nach Dresden versetzt, wirkte v. Hausen bis zum Frühjahr 1881 als Erster Generalstabsoffizier des XII. (sächsischen) Armeekorps. Wieder im Truppendienst, übernahm der nunmehrige Oberstleutnant 1887 die Freiberger Jäger (1. Jäger-Bataillons Nr. 12) und 1890 als Oberst das 2. Königlich Sächsische Grenadierregiment Nr. 101 in Dresden.

Der begabte Offizier, körperlich von untersetzter Statur, galt als „sehr dienstfreudig“ und bedürfnislos. Beliebt war das zurückhaltende und bescheidene Wesen v. Hausens, der gern und herzlich lachen konnte. Die enorme Arbeitsleistung und sein überraschendes Erscheinen bei der Truppe waren legendär. Im Dienst streng und oft kurz angebunden, blieb er doch stets offen und hilfsbereit. Seine besondere Leidenschaft galt der Jagd. 

1892 ist v. Hausen Chef des Generalstabes des XII. Armeekorps, mit dessen kommandierendem General Prinz Georg, dem späteren König (1832-1904), ihn ein besonderes Vertrauensverhältnis verbindet. Nach einer Verwendung als Oberquartiermeister im Großen Generalstab wird er 1897 Generalleutnant und Kommandeur der 32. Division (3. Königlich Sächsische), 1900 Kommandierender General des XII. Armeekorps. 56-jährig übernahm der General der Infanterie für 12 Jahre das sächsische Kriegsministerium, verstand sich darin weniger als Politiker und wollte stets „Soldat, nicht Beamter“ sein. 

Als Vorsitzender des sächsischen Gesamtministeriums (1912-1914) stand der „Preuße“ v. Hausen nicht selten im Gegensatz zu dem „Sachsen“ Finanzminister Wilhelm von Rüger, demgegenüber er die Heeresbelange des Reiches zu vertreten hatte. Anlässlich seines 64. Geburtstages wurde Max von Hausen zum Generalobersten ernannt, eine in der sächsischen Armee bis dahin einmalige Auszeichnung. Pointiert und doch respektvoll zeichnet auch der Dresdner Schriftsteller und ehemals königlich sächsische Offizier Ludwig Renn (Vieth von Golßenau) v. Hausens Bild, wonach dieser „befähigte Heerführer“ als „außerordentlich gescheit und als vorzüglicher Kenner der Kriegsgeschichte“ galt („Anstöße in meinem Leben“, 1980). 

Sein fünfzigstes Militärdienstjubiläum feierte der verdiente Soldat am 12. Dezember 1913. Ein Menschenalter hatte Max von Hausen im Truppen- und Generalstabsdienst durch alle Dienstgrade am Ausbau der sächsischen Armee mitgewirkt. König Friedrich August III. ernannte ihn zum Chef des 16. Infanterie-Regiments Nr. 182 in Freiberg, das damit seinen Namen trug. Am 21. Mai 1914 nahm der Generaloberst seinen Abschied und zog sich in sein Loschwitzer Eigenheim zurück, wo er einen beschaulichen Lebensabend zu verbringen hoffte. 

Doch nach den Schüssen von Sarajewo erging im August 1914 auch der deutsche Mobilmachungsbefehl, zog der 67jährige Generaloberst von Hausen als Oberbefehlshaber der 3. Armee mit den Sachsen nach Frankreich in den Krieg. Hier aber entspann sich im September das Drama, das unter dem Schlagwort „Marneschlacht“ ein Ende des deutschen Vormarsches, das Scheitern des Schlieffen-Planes und einen ersten Wendepunkt des Krieges bezeichnet. Mittendrin, die eigentlich siegreichen Sachsen mit ihrem (wie fast sein ganzer Stab) an der Ruhr erkrankten Oberbefehlshaber. Dazu eine Oberste Heeresleitung fernab in Luxemburg, unzureichende Fernsprechverbindungen, widersprüchliche Befehle des Oberstleutnants Richard Hentsch, jenes undurchsichtigen Bevollmächtigten von Moltkes Generalstab. 

Am 12. September wurde der körperlich zusammengebrochene und seelisch angegriffene Generaloberst seines Kommandos enthoben. Während die westliche Front im Stellungskrieg erstarrte, kümmerten sich die Ärzte – inzwischen war Typhus diagnostiziert worden – um den unglücklichen Patienten. Im April 1915 meldete sich v. Hausen als „gesund und nach ärztlichem Urteile kriegsverwendungsfähig“ beim sächsischen Kriegsministerium, die erhoffte Wiederverwendung blieb jedoch aus.  

Im September 1917 besuchte der Generaloberst sein Freiberger Infanterieregiment Nr. 182 an der mazedonischen Front. Nach Dresden zurückgekehrt, vollendete er sein Werk „Meine Erlebnisse und Erfahrungen als Oberbefehlshaber der 3. Armee im Bewegungskrieg 1914“. Der Sturz der Monarchie im November 1918 überraschte und verbitterte v. Hausen, der felsenfest auf die Treue der Truppen vertraut hatte. Als Generaladjutant des Königs war er nicht einmal zu den Beratungen hinzugezogen worden, die der Abreise der Königlichen Familie vorausgingen. 

Sein bescheidenes Landhaus an der Mordgrundbrücke musste er 1919 verkaufen, da ihm die neuen Verhältnisse einen Fortbesitz nicht ermöglichten. Zuletzt galt seine Fürsorge den Kriegsversehrten und der Ordnung des v. Hausenschen Familienarchivs. Am 19. März 1922 verstarb Max von Hausen in Dresden. Auf dem Inneren Neustädter Friedhof wurde „Sachsens volkstümlichster General“ (A. Brabant) in einer schlichten Zeremonie beigesetzt.


Literatur:

Artur Brabant: Generaloberst Max Freiherr von Hausen. Ein deutscher Soldat. Dresden 1926.

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Bert Wawrzinek

Bert Wawrzinek wurde 1959 in Leipzig geboren und lebt heute im Stolpener Land.

Im ersten Leben Rockmusiker, betreibt er seit 25 Jahren das HISTORICA Antiquariat im Dresdner Barockviertel.
Für SACHSEN DEPESCHE schreibt er seit April 2016 zu Themen der sächsischen Kultur und Geschichte.

Webseite: www.sachsen-depesche.de/show/author/56-bert-wawrzinek.html
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