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Sächsische Köpfe

Zur Erinnerung an Maria Emanuel Markgraf von Meißen (1926-2012)

Donnerstag, 27 Juli 2017 16:59 geschrieben von 
Der Markgraf und die Markgräfin von Meißen - 1991 mit Sachsenfreunden im Schlossgarten von Sibyllenort (Szczodre) Der Markgraf und die Markgräfin von Meißen - 1991 mit Sachsenfreunden im Schlossgarten von Sibyllenort (Szczodre) Quelle: Archiv Bert Wawrzinek

Dresden - Am 23. Juli 2012 verstarb Seine Königliche Hoheit Maria Emanuel Markgraf von Meißen, Prinz von Sachsen, Herzog zu Sachsen in seinem Schweizer Exil La Tour de Peilz im Alter von 86 Jahren. Geboren wurde der Enkel des letzten Sachsenkönigs am 31. Januar 1926 als Sohn Markgraf Friedrich Christians und der Elisabeth Helene Prinzessin von Thurn und Taxis auf Schloss Prüfening bei Regensburg.

Eine glückliche Kindheit verbrachte Maria Emanuel in Bad Wörishofen, Bamberg und Dresden-Wachwitz. Unterricht erhielt der Prinz am Bischöflichen St. Benno-Gymnasium Dresden und dem Jesuiten-Kolleg St. Blasien im Schwarzwald sowie an einer Privatschule der königlichen Familie in Dresden-Strehlen. 1943 wurde Maria Emanuel wegen Wehrkrafzersetzung und Hörens ausländischer Rundfunksender verhaftet unnd bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs als politischer Häftling in Potsdam festgehalten.

Nicht anders als Millionen Mittel- und Ostdeutsche mussten sich auch die Angehörigen des vormaligen sächsischen Königshauses im Westen Deutschlands eine neue Existenz aufbauen. Nach dem Studium an der Düsseldorfer Kunstakademie wirkte Maria Emanuel in München als Grafiker und Kunstmaler. Während eines Schweizaufenthalts lernte er Anastasia-Louise Prinzessin von Anhalt (*1940) kennen, das Paar heiratete am 23. Juni 1962 in Vevey. Nachdem Markgraf Friedrich Christian am 9. August 1968 verstorben war, wurde Maria Emanuel Chef des Hauses Wettin, Albertinische Linie. Wie bereits sein Vater, führte auch der neue Hauschef den ältesten Titel der Wettiner „Markgraf von Meißen“, worin der Anspruch auf den sächsischen Thron dokumentiert ist.

Lebenslang fühlte sich Maria Emanuel dem St. Heinrichs-Orden verbunden, jener 1736 von Kurfürst Friedrich August II. gestifteten, höchsten sächsischen und zugleich ältesten deutschen Tapferkeitsauszeichnung. 1959 hatten sich 300 der im Ersten Weltkrieg ausgezeichneten Ordensträger zum „Konvent des Königlich Sächsischen Militär-St. Heinrichs-Ordens“ unter der Großmeisterwürde Markgraf Friedrich Christians zusammengefunden. Um diese Tradition lebendig zu halten, begründete Maria Emanuel den Verein der St. Heinrichs-Nadelträger und den St. Heinrichs Orden e. V. 1963 hatte Markgraf Friedrich Christian die St. Heinrichs-Nadel gestiftet, mit der Persönlichkeiten geehrt wurden, die sich in besonderer Weise um die Pflege sächsischer Geschichte und Kultur bemühen. Deren Verleihung wurde an ausgesuchten Orten vorgenommen, die mit „dem Heinrich“ in historischem Zusammenhang stehen.

Unvergessen sind die festlichen St. Heinrichstage in Bamberg, der Heimstatt des Ordens, wo sich im Kaiserdom das Grab des Ordenspatrons, des römisch-deutschen Kaisers Heinrich II. des Heiligen (973-1024) befindet. Es waren festliche Stunden, wenn sich Sachsen aus allen Himmelrichtungen erwartungsvoll um das Markgrafenpaar versammelten, dazu das Gepränge von Abordnungen der Verbände, Ehrenposten der Bundeswehr und Vertretern von Geistlichkeit und Politik. Wenn sich dann die Tore des Domes öffneten, die Orgel dröhnte und der Zug in feierlicher Prozession zur Ehrentafel des Ordens schritt, war dies die Stunde des Markgrafen Maria Emanuel, der als berufener Vertreter einer tausendjährigen Tradition das Totengedenken und die Auszeichnungen vornahm.

Unermüdlich zeigte sich Maria Emanuel bei der Unterstützung der zahlreichen, nach 1945 in Westdeutschland, aber auch Österreich und der Schweiz entstandenen Sachsenvereinigungen. Insbesondere die damaligen Kameradschaften ehemals sächsischer Regimenter, die Traditionspflege der Königlich-Sächsischen Armee, waren ihm Herzenssache. Das 900-jährige Jubiläum des Fürstenhauses in Regensburg im April 1989 feierten die Wettiner noch in der Windstille deutsch-deutscher Teilung. Einige Monate später standen die Zeichen auf Sturm, begann auch für den Markgrafen Maria Emanuel ein turbulenter Lebensabschnitt mit neuen Herausforderungen, diesmal jedoch inmitten des angestammten Sachsenlandes.

Und es waren vor allem die Sachsen, welche in Leipzig und Dresden für die Erneuerung ihres Landes auf die Straße gingen, deren Einsatz der Fall der Mauer und die deutsche Wiedervereinigung zu danken war. Noch am 23. Dezember 1989 traf das Markgrafenpaar in der sächsischen Hauptstadt ein, um zunächst in der Hofkirche - Providentiae memor - für die schicksalhafte Fügung zu danken. Nun folgte eine dynamische Zeit voller Aufbruchstimmung, und es war ein letzter Abendglanz jener Epoche, als Sachsen noch ein Königreich war, der diejenigen umfing, die sich im Strahlungsfeld der „Ersten Familie des Landes“ (Claus Laske) bewegten …

Der königliche Inspirator blieb bis zuletzt allgegenwärtig, und erst sein Verlöschen machte deutlich, daß ein Zeitalter vergangen war. Bei Imst in Tirol, in der Familiengruft zu Brennbichl, liegt er nun begraben. Bis es den Sachsen gefällt, ihren guten Markgrafen heim an die Seite seiner Vorväter, den verewigten Kurfürsten und Königen, in die Dresdner Fürstengruft zu holen.

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Bert Wawrzinek

Bert Wawrzinek wurde 1959 in Leipzig geboren und lebt heute im Stolpener Land.

Im ersten Leben Rockmusiker, betreibt er seit 25 Jahren das HISTORICA Antiquariat im Dresdner Barockviertel.
Für SACHSEN DEPESCHE schreibt er seit April 2016 zu Themen der sächsischen Kultur und Geschichte.

Webseite: www.sachsen-depesche.de/show/author/56-bert-wawrzinek.html
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