Login

sachsen-depesche.de

Freigegeben in Kunst & Kultur

Postgeschichte

Zwölf farbige Bilder aus den Tagen der Kurfürstlichen und Königlich Sächsischen Post 1770 bis 1865 (1)

Dienstag, 24 Juli 2018 15:24 geschrieben von 
Kursächsischer Postmeister 1770 Kursächsischer Postmeister 1770 Quelle: Archiv B. Wawrzinek

Dresden – 1925 erschien unter genanntem Titel in Dresden die zweite Auflage eines Mäppchens mit 12 Farbreproduktionen von Ölbildern, die einst im Auftrag des (1917 in Großgraupa verstorbenen) Geh. Postrats Karl Thieme entstanden waren. Der sächsische Postrat hatte im Laufe einer über fünfzigjährigen Dienstzeit auch eine Reihe postgeschichtlicher Abbildungen zusammengetragen, nach denen der Maler Gustav Otto Müller (1827-1922) dann jene repräsentative Dokumentation erschuf.

Es liegt in der Natur der Sache, daß der Ausführende ein Meister kostümkundlicher Darstellung und Kenner der sächsischen Verhältnisse war. In Dresden geboren, hatte Müller 1842-46 an der Kunstakademie bei Ernst Rietschel, Julius Schnorr von Carolsfeld und Julius Hübner studiert. Ab 1865 wirkte der (vor allem als Militärmaler tätige) Künstler als Zeichenlehrer am sächsischen Kadettenhaus in Dresden, wurde 1870 Inspektor und 1908-10 schließlich Kustos der Königlichen Gemäldegalerie. In jungen Jahren hatte er manche seiner posthistorischen Motive noch selbst erlebt, die er nun in liebenswürdigen Bildern den Nachgeborenen zu überliefern wußte.

Eine stimmungsvolle Ergänzung aber sind Thiemes Erläuterungstexte, die einem das Herz warm werden lassen und in Streiflichtern einen plastischen Endruck jener Ära vermitteln, als Sachsen noch Kurfürstentum und Königreich war. In loser Folge dokumentieren wir nun sämtliche 12 Müllerschen Bilder, deren erstes mit „Kursächsischer Postmeister 1770“ untertitelt ist:

„In den alten Tagen, als die Post noch unbestritten die Landstraße beherrschte, als es noch keine Eisenbahn und Telegraphen gab, war der Postmeister eine gar wichtige und angesehene Persönlichkeit. In seinen Ställen stampften die Pferde, die er für den Wechsel der ‚Ordinair-Posten‘ und für die Extraposten bereit halten mußte, warteten die Postillione und ‚Postjungen‘, Stallknechte und der Wagenmeister auf seine Befehle. Mit allen Verhältnissen des Städtchens ist er genau vertraut, und wenn, wie es vorkommt, ein verliebtes Bräutlein auf der Adresse ihrer Epistel (lat. ‚Brief‘) seufzt: ‚Der Herr Postmeister wird sehr fleißig gebeten, diesen Brief cito (lat. ‚rasch‘) bestellen zu lassen, da gar viel daran gelegen!‘, so wird unser Postherrscher das volle Verständnis für solche Herzensnöte zeigen. Die Miene, mit der er den wetterfesten und stumpf ausschauenden Postillion abfertigt, ist dagegen sehr gemessen und streng. Aber zweifellos hat dieser Posttillion, der eine Reitpost befordern soll, ein schärferes Anfassen nötig, denn er macht etwas den Eindruck eines Liebhabers von einem tüchtigen Schäpschen. ‚Aber nicht zu tief in das Glas geguckt!‘, mahnte damals Heinrich Voß, der Dichter der ‚Luise‘, seinen Holsteinischen Postillion. Hoffentlich hat auch sein sächsischer Kamerad die gleiche Warnung des Herrn Postmeisters beherzigt.“ Fortsetzung folgt.

Artikel bewerten
(19 Stimmen)
Bert Wawrzinek

Bert Wawrzinek wurde 1959 in Leipzig geboren und lebt heute im Stolpener Land.

Im ersten Leben Rockmusiker, betreibt er seit 25 Jahren das HISTORICA Antiquariat im Dresdner Barockviertel.
Für SACHSEN DEPESCHE schreibt er seit April 2016 zu Themen der sächsischen Kultur und Geschichte.

Webseite: www.sachsen-depesche.de/show/author/56-bert-wawrzinek.html
Bitte anmelden, um einen Kommentar zu posten

TEAM