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Postgeschichte

Zwölf farbige Bilder aus den Tagen der Kurfürstlichen und Königlich Sächsischen Post 1770 bis 1865 (2)

Montag, 06 August 2018 18:29 geschrieben von 
Kursächsischer Postillion von 1780 Kursächsischer Postillion von 1780 Quelle: Archiv B. Wawrzinek

Dresden – Nachdem wir vor Wochenfrist mit der ersten Folge postgeschichtlicher Darstellungen nach Gemälden von Gustav Otto Müller (1827-1922) gestartet sind (https://www.sachsen-depesche.de/kultur/zwölf-farbige-bilder-aus-den-tagen-der-kurfürstlichen-und-königlich-sächsischen-post-1770-bis-1865-1.html ), hier nun eine Fortsetzung der 1925 erschienenen Dokumentation. Und wieder versetzt uns der Geheime Postrat Karl Thieme mit einer launigen Bildbeschreibung in jenes Zeitalter, als Sachsen noch ein Kurfürstentum war, und uniformierte Postbeamte auf Kutschböcken das Land durchmaßen. Diesmal geht es in die Oberlausitz, wo sich bis in unserer Zeit das kleine Volk der Sorben behauptet, dem auch unser „Kursächsischer Postillion von 1780“ anzugehören scheint:

„Wie gut kleidet unsern wackeren Hornbläser seine Postillionsgalauniform: das gelbe Kollett mit den blauen Rabatten und dem Vorstoß der Weste, der stattliche Schiffshut und die erbsfarbene Lederhose. Er ist zur Abfahrt fertig, hält die lange Peitsche in der Linken, und sein Extrapostzug stampft vor dem Posthause. Gewiß gehört der Mann zur Station in Bautzen. Seine Gesichtszüge deuten auf wendische Abkunft. Die Bautzner Posthalterei stellte aber gern Wenden ein, die als gute Pferdewärter und geschickte Fahrer geschätzt waren. Daß unser Postillion nicht vor dem alten Patrizierhaus bläst, in welchem Herr Brescius als Oberpostmeister der Oberlausitz das Szepter führt, wird seinen besonderen Grund haben. Der vornehme Fahrgast, auf welchen die Extrapost zur Reise nach Dresden wartet, hat sich gewiß beim Abschiednehmen versäumt, und der aufmerksame Postillion möchte ihn aus größerer Nähe mit kräftigem Signalruf an die wartende Extrapost erinnern. Die „Frau Postillion“, auch eine kräftige Wendin, ist über den Verzug nicht böse, ebensowenig der kleine Sprößling, der stillvergnügt dem Signalrufe des väterlichen Posthorns lauscht. Er wird wohl auch zu einem tüchtigen Postillion heranwachsen.“ (Fortsetzung folgt)

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Bert Wawrzinek

Bert Wawrzinek wurde 1959 in Leipzig geboren und lebt heute im Stolpener Land.

Im ersten Leben Rockmusiker, betreibt er seit 25 Jahren das HISTORICA Antiquariat im Dresdner Barockviertel.
Für SACHSEN DEPESCHE schreibt er seit April 2016 zu Themen der sächsischen Kultur und Geschichte.

Webseite: www.sachsen-depesche.de/show/author/56-bert-wawrzinek.html
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