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Zum 1. Mai 2018

Zwischen Walpurgisnacht und Klassenkampf

Samstag, 28 April 2018 15:34 geschrieben von 
"Hexenfeuer" in Stolpener Land "Hexenfeuer" in Stolpener Land Quelle: Bert Wawrzinek

Dresden – Kein Monat erfreut sich so der Gunst der Menschen, zu keiner Zeit ist der Jubel so fröhlich wie im Mai, dem schönen Wonnemonat. Die Herrlichkeiten der erwachten Natur, aufkommende Sommerfreude und Dankbarkeit, all dessen teilhaftig zu sein – wer kann sich diesem Glück entziehen?

Benannt nach der altitalischen Göttin Maia, wurde der Monat Mai bereits von unseren germanischen Vorfahren (hier „Wonnemond“) mit einem Frühlingsfest begrüßt, das noch immer am Abend des 30. April beginnt und in der „Walpurgisnacht“, in uralten und regional verschiedenen Formen, seinen Höhepunkt findet.

Die am 1. Mai 870 heiliggesprochene Walpurga (auch Walburga) gilt als Schutzheilige der - Seeleute. Auch in Sachsen werden zu Walpurgis mächtige „Hexenfeuer“ entfacht („Hexenbrennen“), um „böse Geister“ zu vertreiben. Zuvor findet an zentralem Platz, von den Dorfbewohnern und einer Blaskapelle begleitet, das „Maibaumsetzen“ statt, wird ein hochstämmiger und geschmückter Maibaum aufgestellt, worum sich weitere Bräuche ranken.

In der politischen Welt fehlte es nicht an Versuchen, den Maienbeginn zu instrumentalisieren. 1889 erhob der Gründungskongreß der II. Sozialistischen Internationale den 1. Mai zum „Kampftag der Arbeiterbewegung“. Gesetzlicher Feiertag wurde der „Tag der nationalen Arbeit“ dann 1933 bei den Nationalsozialisten. Auch in den beiden deutschen Nachkriegsstaaten blieb der Tag arbeitsfrei, wenn auch mit jeweils unterschiedlicher Ausrichtung.

Daran hat sich bis heute nichts geändert, und während schon bald im ländlichen Raum die Hexenfeuer lodern, wird auch in den Städten manch Politiker, Aufmerksamkeit heischend, am Platze sein. Allein die Natur zeigt sich gänzlich unbeeindruckt; und selbst die stumme Blüte steht, beseelt von einem schöpferischen Willen, der stärker ist als jedes Menschenwerk.

Letzte Änderung am Samstag, 28 April 2018 15:39
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Bert Wawrzinek

Bert Wawrzinek wurde 1959 in Leipzig geboren und lebt heute im Stolpener Land.

Im ersten Leben Rockmusiker, betreibt er seit 25 Jahren das HISTORICA Antiquariat im Dresdner Barockviertel.
Für SACHSEN DEPESCHE schreibt er seit April 2016 zu Themen der sächsischen Kultur und Geschichte.

Webseite: www.sachsen-depesche.de/show/author/56-bert-wawrzinek.html
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