Login

sachsen-depesche.de

Freigegeben in Medien

Zwei Drittel der Deutschen befürchten Nachteile durch Asylzustrom

Professor Werner J. Patzelt zweifelt Bewältigung der Flüchtlingskrise an

Mittwoch, 30 September 2015 15:55 geschrieben von 
Werner J. Patzelt (2006) Werner J. Patzelt (2006) Quelle: de.wikipedia.org | Thomas Richter

Dresden – Der bekannte Politikwissenschaftler Werner J. Patzelt hat deutliche Kritik an der Asylpolitik der Bundesregierung geübt. Patzelt, der selber Mitglied der CDU ist, erklärte kürzlich in der ARD-Sondersendung „Fluchtziel Deutschland – Schaffen wir den Kraftakt?“ bezugnehmend auf eine Äußerung Angela Merkels: „Wenn dann anschließend nur kommt ‚Ja, wir schaffen das!‘, dann fragen die Leute schon: Auf welche Weise denn? Seitdem Flüchtlingszahlen auf die Kommunen verteilt worden sind, seitdem die Fernsehbilder von den überquellenden Erstaufnahmelagern und den Grenzstationen Deutschlands sichtbar waren, fragten sich viele: Ja, wie soll denn das genau gehen?“

Mit seiner Skepsis liegt der Professor am Institut für Politikwissenschaft der TU Dresden offenbar auf einer Linie mit der Mehrheit der Deutschen, von denen laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Infratest dimap, die von der ARD vor besagter Sendung in Auftrag gegeben worden war, 63 Prozent der Meinung sind, dass die momentane Asyl- und Flüchtlingspolitik unser Land überfordert. 77 Prozent halten die Regierung in dieser Hinsicht für planlos, fast jeder Zweite bekennt, dass ihm die Zahl der nach Deutschland strömenden Migranten Angst bereite, 57 Prozent befürchten die Zunahme von Kriminalität und Terrorgefahr, aber nur 26 Prozent erwarten, dass mit der Welle vor allem junger, männlicher und muslimischer Flüchtlinge die Renten wieder sicher werden. Nur knapp ein Drittel ist der Überzeugung, dass uns Zuwanderung eher Vorteile bringt. Anfang September war noch fast die Hälfte der Befragten davon überzeugt, dass die Vorteile überwiegen.

Im krassen Gegensatz zu den Umfrageergebnissen und der berechtigten Kritik Patzelts versuchten die Macher der ARD-Sendung „Fluchtziel Deutschland“ den Eindruck zu vermitteln, dass der Zustrom von Asylbewerbern zu Hunderttausenden zwar eine Herausforderung darstellt, jedoch zu bewältigen ist, wenn sich alle nur ein wenig anstrengen. Immerhin gab Moderator Sigmund Gottlieb an einer Stelle zu: „Der wachsende Flüchtlingsstrom in unserem Land kann auch zu Konflikten unter den Asylsuchenden führen.“ Unterschiedliche Kulturen und Lebensweisen prallten aufeinander. „Hinzu kommen Überbelegung vieler Unterkünfte und die Perspektivlosigkeit der Menschen, die dort untergebracht sind. Dies ist ein explosives Gemisch.“ Das mit weiter steigenden Asylzahlen nicht nur die Konflikte zwischen den unterschiedlichen Migrantengruppen, sondern auch zwischen Migranten und Deutschen zunehmen werden, brachte Gottlieb allerdings nicht zur Sprache.

Artikel bewerten
(8 Stimmen)
Florian Welckenstein

Florian Welckenstein wurde 1973 in Dresden geboren und lebt heute in der Sächsischen Schweiz.

Nach dem Abitur absolvierte er zunächst eine kaufmännische Lehre und arbeitete viele Jahre in der Versicherungsbranche. Später entschloss er sich zu einem BWL-Studium an der Fernuni Hagen und ist seit 2012 Mitinhaber einer kleinen Firma im Bereich Landmaschinentechnik. Nebenbei ist er publizistisch tätig und engagiert sich ehrenamtlich in verschiedenen Vereinen. Für die SACHSEN DEPESCHE berichtet er schwerpunktmäßig über das Geschehen im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge.

 

Webseite: www.sachsen-depesche.de
Bitte anmelden, um einen Kommentar zu posten

TEAM