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PEGIDA am Dresdner Hauptbahnhof

„Im Osten wird wieder gekämpft!“

Donnerstag, 14 September 2017 03:56 geschrieben von  Jan Erbenfeld
Taschenlampen und Deutschlandlied - PEGIDA am Dresdner Hauptbahnhof Taschenlampen und Deutschlandlied - PEGIDA am Dresdner Hauptbahnhof Quelle: Jan Erbenfeld

Dresden – 125. PEGIDA-Kundgebung auf dem Wiener Platz am Hauptbahnhof. Nach Durchhalteparolen von Taufkirch und Bachmann erfolgt der obligatorische „Spaziergang“ durch die Innenstadt über die St. Petersburger. Auf der Prager Straße geht es retour, treffen Wutbürger auf Antifas, die sich routinemäßig hinter großformatigen Bannern postiert haben. Erbittert versichert man sich wechselseitig heftiger Abneigung, kommt es zu Wortgefechten und Rempeleien. Dann folgt Leyla Bilge, eine Rednerin mit Migrationhintergrund.

Die attraktive Kurdin, von den Medien einst hofiert, engagiert sich gegen sexuellen Mißbrauch von Kindern, half in türkischen Flüchtlingscamps, reiste in die Kriegsgebiete im Irak und Syrien und nahm selbst einen Flüchtling auf. Als Bilge in die AfD eintrat und öffentlich die Unterdrückung der islamischen Frau und die Flüchtlingspolitik der Kanzlerin kritisierte, war es mit dem Wohlwollen vorbei. Auf der PEGIDA-Bühne hält die „stolze Deutsche mit kurdischen Wurzeln“ eine Wutrede ganz nach dem Geschmack des Publikums, arbeitet sich temperamentvoll an Altparteien, Kirchen- und Islamverbänden, der Friedrich-Ebert-Stiftung und ausreisepflichtigen Migranten ab.

Ein literarisches Horrorszenario bietet Siegfried Däbritz mit dem Text des Autors Michael Weilers, der unter dem Titel „Rückblick im Jahre 2036“ eine düstere Zukunftsvision fabriziert hat. Während der Westen der BRD längst vom „Islamischen Staat Deutschland “ unterworfen wurde, werde im Osten – Thüringen, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt - „wieder gekämpft“, eile in Sachsen sogar eine ganze Armee aufständischer Deutscher von Sieg zu Sieg. Die Pegidianer jubeln. Der geradezu mythisch verklärte „Osten“, der eigentlich Mitteldeutschland meint, sei die „letzte Chance“. So sehen das wohl nicht allein Michael Weilers und die Demonstranten am Dresdner Hauptbahnhof.

Auch deshalb wird ab Dienstag (19. September) ein Flüchtlingsboot des bundesweiten Projekts "Mit Sicherheit gut ankommen" in Dresden Station machen. 70 kupferne Flüchtlings-Plastiken sind an Bord, bieten Gelegenheit, sich mit dem Thema Flucht und Migration auseinanderzusetzen. Ursprünglich war die umstrittene Kunstaktion für den Dresdner Neumarkt vorgesehen, von der Dresdner Stadtverwaltung aber „aus Termingründen“ abgesagt worden. Nun soll das Boot am Neustädter Hafen, rechtselbisch zwischen Marienbrücke und Pieschen, aufgebaut werden und wird bei denen, deren Steuergroschen dafür fließen, heftige Kontroversen provozieren. Garantiert am kommenden Montag, bei einer Doppelveranstaltung von PEGIDA und AfD auf dem Dresdner Neumarkt.

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