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„Kulturbruch `68“ von Karlheinz Weißmann

Sonntag, 06 Januar 2019 22:40 geschrieben von  Hubert Milz
Verheerende Konsequenzen: "1968" und die Folgen Verheerende Konsequenzen: "1968" und die Folgen Quelle: Hubert Milz / Verlag Junge Freiheit

Dresden - Karlheinz Weißmann gilt als einer der wichtigsten Rechtsintellektuellen der Bundesrepublik. Der promovierte Historiker und Gymnasiallehrer ist Verfasser mehrerer Bücher und regelmäßiger Autor der konservativen Wochenzeitung „Junge Freiheit“. In seinem neuen Buch rechnet Weißmann mit den Protagonisten der sogenannten 1968er Revolution ab und analysiert deren Folgen für unser Gemeinwesen.

Zunächst wird deutlich, dass die Ideen, aus denen sich „1968“ speist, nicht wirklich neu waren - nur neu verpackt. So kamen Strömungen an die Oberfläche, die in der abendländischen Kulturgeschichte unterirdisch präsent waren, ab und an ausbrachen, doch zumeist, wenn sie irgendwo regional Macht und Wirkung zeigten, katastrophal scheiterten.

Doch warum waren es gerade die Wohlstandskinder der ersten Nachkriegsgeneration, die jene alten Konzepte in neuem Gewand zu einer augenscheinlich erfolgreichen Revolte werden ließen? Vielleicht war es gerade besagter Wohlstand – gepaart mit Verantwortungslosigkeit –, die es jenen verwöhnten jungen Leuten ermöglichte, überkommene Traditionen zu unterminieren und die Kardinal- und Sekundärtugenden, welche einst den Erfolg des alten Abendlandes ausmachten, in Frage zu stellen.

Weißmann macht deutlich, dass eine Weggabelung von "1968" logisch zum sogenannten "deutschen Herbst" - dem Terror der RAF - führte. Im Werk von Herbert Marcuse, einem der Vordenker der sogenannten „Frankfurter Schule“ und Protagonisten der „Kritischen Theorie“, sind alle diese Keime brutaler, menschenverachtender Gewalt bereits angelegt . Ebenso vorgezeichnet ist besagte Tendenz in den Reden und Schriften eines Rudi Dutschke, der Galionsfigur von „1968“, wenn auch gezeigt wird, dass Dutschke vor diesem letzten Schritt zurückschreckte …

Bedingt durch Echo und Reaktion auf die RAF bevorzugten nicht wenige Aktivisten der Revolte den angenehmeren „Marsch durch die Institutionen“. Sie erlangten sichere staatliche Pfründe im Wissenschafts-, Erziehungs- und Kulturbetrieb, konnten gut und komfortabel leben, weiterhin ihre Zielsetzungen verfolgen und haben nach nunmehr fünfzig Jahren die wichtigen Schalthebel in der Hand. Für die Heranbildung von Schülern und Studenten folgen daraus verheerende Konsequenzen, was sich in Lehrplänen wie Medienanstalten widerspiegelt, deren kulturmarxisistisch-nihilistischer Einfluss auf die veröffentlichte Meinung unverkennbar ist.

Doch jenes gewalttätige „1968“ mit Straßenkampf und brutalem RAF-Terror ist gescheitert. Hingegen waren die Truppenteile, die den „Marsch durch die Institutionen“ antraten, weitgehend erfolgreich darin, die in mehr als zwei Jahrtausenden gewachsene abendländische Kultur zu zersetzen, ja in Teilen zu zerstören. Diese kulturmarxistische Bewegung hat sich – so scheint es zumindest auszusehen – dauerhaft etablieren können. Doch welcher Art ist der dadurch erzielte Erfolg?

Hat „1968“ etwas Neues an die Stelle des Alten gesetzt? Oder ist das Überlieferte, gemäß den Vorgaben der Kritischen Theorie, nicht einfach nur durch sogenanntes Hinterfragen zersetzt worden? Neue Werte sind jedenfalls nicht zu erkennen; an die Stelle des Alten traten roher Materialismus, billiger Konsumismus, Relativismus und Hedonismus. Sicher ist, der Nihilismus von „1968“ hinterlässt ein Vakuum. Doch welcher Inhalt wird diese Leere bezwingen?

 


Karlheinz Weißmann: „Kulturbruch `68 – Die linke Revolte und ihre Folgen. 
Verlag „Junge Freiheit“ 2017, ISBN 978-3-929886-67-2, EUR 19,90


Hubert Milz, Jahrgang 1956, hat als Diplom-Betriebswirt (FH) / Diplom-Ökonom (Fernuniversität) rund 35 Jahre in der Energiewirtschaft gearbeitet und ist Mitglied der Friedrich A. von Hayek-Gesellschaft.

*In der „Bücherkiste“ finden die Leser der SACHSEN DEPESCHE in loser Folge Rezensionen zu Titeln, in denen sich die Fragestellungen unserer Zeit in Kultur, Wissenschaft und Politik widerspiegeln. Neben neueren Veröffentlichungen sollen ebenso Bücher berücksichtigt sein, deren Inhalte zeitlose Gültigkeit beanspruchen.

Letzte Änderung am Mittwoch, 09 Januar 2019 14:06
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