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Rechtspopulismus in Dresden

„Linda“ aus Kandel bei PEGIDA

Donnerstag, 26 April 2018 14:04 geschrieben von  Jan Erbenfeld
"Linda" aus Kandel auf dem Dresdner Neumarkt "Linda" aus Kandel auf dem Dresdner Neumarkt Quelle: Jan Erbenfeld

Dresden – Montagabend, 23. April 2018, 143. PEGIDA in der Landeshauptstadt. Heute steht „Linda“ vom Bündnis „Kandel ist überall“ auf dem Sprecherwagen. Die der AfD nahestehende Gruppe war entstanden, nachdem im Dezember 2017 in Kandel (Rheinland Pfalz) ein afghanischer Flüchtling seine deutsche Freundin erstochen hatte. Übermäßige Zurückhaltung ist „Lindas“ Sache nicht, und so heizt sie den zahlreich auf dem Neumarkt Versammelten kräftig ein. Schon 2015 habe sie einmal in Dresden gesprochen, damals noch mit dem (2017 verstorbenen) Journalisten Udo Ulfkotte, der „Unglaubliches für dieses Land getan“ und dafür einen „sehr hohen Preis bezahlt“ habe. Dann kommt die Rednerin zu ihrem Hauptthema, dem „Bürgerkrieg in unseren Städten“.

Beispiel Fulda. Dort habe vor wenigen Tagen ein afghanischer Asylbewerber noch vor Tagesbeginn eine Bäckerei und eintreffende Polizisten attackiert, war von Beamten erschossen worden. „Zugabe“, applaudiert das Publikum. Ein „aggressiver Asylbewerber-Mob“, so „Linda“ weiter, forderte daraufhin die Bestrafung des Polizisten. Auch diejenigen, welche Gewalttaten verharmlosten, die Migranten begehen würden, jene, die in politisch Andersdenkenden und der Polizei ihren „Feind“ sähen, beförderten diese Entwicklung. Auf Youtube habe eine „Frau mit türkischem Namen“ kürzlich folgenden Kommentar unter den Livestream einer Wiener Kandel-ist-überall-Demo geschrieben : „Ich wünsche mir für Euch, daß Ihr zuschaut, wie Eure Kinder, Mütter und Familien vor euren Augen zerfetzt werden.“ Das Publikum stöhnt auf. Das seien „unsere Kulturbereicherer“, eifert „Linda“ nun, die dem „ach so friedlichen Islam“ angehörten und „uns“ einen brutalen Tod wünschten.

Jetzt zu Arnaud Beltrame. Der französische Gendarmerieoffizier war im März 2018 bei einem islamistischen Terroranschlag in Südfrankreich erschossen worden, nachdem er sich im Austausch als Geisel zur Verfügung gestellt hatte. Beltrame hätte dies nicht tun müssen, sagt „Linda“, habe aber seinen Beruf – den Schutz der Bürger - „sehr ernst“ genommen. Er verlor sein Leben „für eine falsche, für eine tödliche Politik“. Noch im März sei auch Mireille Knoll, eine 85-jährige Jüdin in Paris mit Messerstichen umgebracht worden. Die Holocaust-Überlebende hätte ihren Mörder seit seiner Kindheit gekannt. Oft sei er bei der alten Dame zu Besuch gewesen, die ihm Essen gekocht, sich mit ihm beschäftigt habe. Jetzt aber sei sie tot.

Dann kommen Daniel aus Kirchweyhe, Maria aus Berlin, Vivien aus Burgwedel, Maurice aus Passau, Marcus aus Wittenberg, Niklas aus Bonn – allesamt Fälle erschütternder Gewalt, in denen Migranten Täter und Einheimische Opfer waren. Ausnahmezustand mitten im Frieden? „Festung Europa, macht die Grenzen dicht“, ist ein Rezept der Pegidianer, das nunmehr, wütend skandiert, über den Platz hallt. Wie aber lautet das Rezept der politischen Parteien, der Regierung, denen nicht allein Verantwortung für den Frieden in der Welt obliegt, vielmehr die Sicherheit der Bürger im eigenen Land selbstverständliche Aufgabe sein sollte?

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