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Rechtspopulismus in Dresden

„UN-Migrationspakt stoppen!“ bei PEGIDA am 3. Dezember in Dresden

Samstag, 08 Dezember 2018 00:36 geschrieben von  Jan Erbenfeld
PEGIDA am Montag auf dem Theaterplatz PEGIDA am Montag auf dem Theaterplatz Quelle: Jan Erbenfeld

Dresden – Wolfgang Taufkirch eröffnet die 166. PEGIDA in der Landeshauptstadt. In wenigen Tagen werde der UN-Migrationspakt unterzeichnet, womit sich wieder zeige, daß die „Stimme der Bürger“ kein Gewicht habe. Den Schaden hätten zunächst die Bewohner der Aufnahmeländer wie Deutschland, Frankreich und Spanien. „Volks-ver-räter“, skandiert das Publikum auf dem Theaterplatz reflexhaft. Der Umgang mit dem Migrationspakt, so der Redner weiter, habe „vorläufig die größte Protestwelle ausgelöst“ und natürlich demonstriere man nach der Unterzeichnung für den „Wiederausstieg“. Den Linksextremisten werde man nicht tatenlos bei der Zerstörung des Landes zuschauen und dabei seien die Grünen „am gefährlichsten“. Doch die „nationalkonservativen Kräfte“ werden stärker. „PEGIDA und andere Bürgerbewegungen“ haben das Fundament gelegt, „die Straße gehört uns schon lange.“ Man brauche jetzt „nur noch die Parlamente“.

Weiter geht es mit Gastredner Michael Stürzenberger, der statt des Migrationspaktes einen „Remigrationspakt“ fordert. „Ab-schie-ben“ rufen die Pegidianer. Angesichts der Tatsache, daß die „Massenflutung unseres Landes“ seit drei Jahren in der Hauptsache durch „Mohammedaner aus Afrika und Arabien“ ablaufe, sei dieser Pakt ein „geistiges Verbrechen am Deutschen Volke“. Das sehe man überall. Gestern erst auf dem Dresdner Striezelmarkt: „ein Hochsicherheitstrakt, umrahmt von Beton“. Die „Ursachen für den Terror“ müßten beseitigt werden, die „Killerbefehle des politischen Islams aus dem Koran“ gehörten „gestrichen“. Heute sei „Tag Acht“ vor der Unterzeichnung des Paktes. Und was für eine Symbolik, daß ausgerechnet 666 Abgeordnete im Bundestag darüber abgestimmt hätten, „666, die Zahl des Teufels“ ...

Nach dem „Spaziergang“ reflektiert Lutz Bachmann die am vorigen Sonnabend (01.12.) in Berlin abgehaltene Protestkundgebung. Enttäuscht sei er von der geringen Resonanz der Hauptstadtbewohner, von denen nur einige Hundert dem Aufruf der Rechtspopulisten gefolgt waren. Außerdem sei die vorgesehene Veranstaltungsfläche auf dem Pariser Platz kurzfristig halbiert worden. Schlimmer aber wäre, daß die AfD, die selbst mit zwei Rednern präsent war, verhindern wollte, daß er, Bachmann, und Jürgen Elsässer zu den Versammlungsteilnehmern sprächen. „Basisdemokratie“ sähe jedenfalls anders aus, doch aus „Jägern“ würden „ganz schnell Gejagte“, wenn man die „natürlichen Partner“ verrate und verkaufe, - klingt es drohend vom Sprecherwagen. Auch von den 93 AfD-Bundestagsabgeordneten habe sich kaum einer sehen lassen - beim Berliner „Merkel-muss-weg-Mittwoch“ vor dem Kanzleramt (einer regelmäßig stattfindenden Miniveranstaltung mit vielleicht 30 Teilnehmern, die auch von PEGIDA unterstützt wird).

Keinen Auftritt hatte indes eine nach Dresden gekommene „kleine Patriotin aus Frankreich“, wohl eine Vertreterin der beargwöhnten „Gelbwesten“, die gern auf der PEGIDA-Bühne sprechen wollte, aber aus „zeitlichen Gründen“ nicht berücksichtigt werden konnte. Das Mädchen aus dem Nachbarland hätte den seit vier Jahren herumlaufenden Pegidianern ja auch erzählen können, wie man mit flächendeckenden Protesten binnen 14 Tagen eine Regierung zum Einlenken und zur Zurücknahme von Gesetzen bringen kann. Aber diesen Abgrund wollten die PEGIDA-Granden ihrem Publikum vermutlich ersparen ...

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