Login

sachsen-depesche.de

Freigegeben in Politik

Thomas Hartung (AfD): „Evangelische Kirche fördert Geschichtsklitterung“

AfD Sachsen gegen Entfernung der „Judensau“ an der Wittenberger Stadtkirche

Donnerstag, 18 Mai 2017 02:12 geschrieben von  Johann W. Petersen
Die sogenannte „Judensau“ an der Wittenberger Stadtkirche Die sogenannte „Judensau“ an der Wittenberger Stadtkirche Quelle: pictokon.net

Dresden – In der Lutherstadt Wittenberg hat ein „Bündnis zur Abnahme des Reliefs im Reformationsjahr 2017“ die Entfernung der sogenannten „Judensau“ von der Außenwand der dortigen Stadtkirche gefordert. Das 700 Jahre alte Steinrelief zeigt eine Sau, die an ihren Zitzen Figuren säugt, die Juden darstellen sollen. Mit dem Bild sollten im Mittelalter Angehörige des jüdischen Glaubens geschmäht werden. Entsprechende Darstellungen findet man auch an anderen deutschen Kirchen wie dem Dom zu Brandenburg, dem Martinsmünster in Colmar, dem Dom St. Peter in Regensburg oder der Stiftskirche in Bad Wimpfen am Neckar.

Dies empfinden die Initiatoren des Anti-„Judensau“-Bündnisses, der evangelische Pfarrer Thomas Piehler aus Leipzig und Schwester Joela Krüger von der Evangelischen Marienschwesternschaft in Darmstadt, nicht mehr als zeitgemäß und rufen zu Mahnwachen auf dem Marktplatz in Wittenberg auf. Luthers Antisemitismus dürfe nicht länger „in Stein gehauen“ bleiben, so die beiden Kirchenleute in ihrem Aufruf. Ziel der Initiative ist die Abnahme des Reliefs durch den Gemeinderat der Stadtkirche. Deren Pfarrer Johannes Block und der Kirchengemeinderat sind allerdings gegen die Abnahme der Skulptur. „Geschichte lässt sich nicht einfach entsorgen. Sie gemahnt uns an Dunkles, auch bei dem großen Reformator Martin Luther und seinen Zeitgenossen“, heißt es in einer Erklärung dazu.

Schützenhilfe haben die Wittenberger Kirchenvertreter nun von der AfD Sachsen bekommen. „Geschichte per Bilderstürmerei zu verfälschen und umzuinterpretieren macht sie nicht wahrer“, so AfD-Landesvize Thomas Hartung am Mittwoch. „Das hat sich schon bei der Abnahme des Schmidt-Bildes bei der Bundeswehr gezeigt und führt letztlich zu kulturellem Talibanismus. Wie soll künftig eine aufgeklärte Generation heranwachsen, die Reliefs wie dieses in den Kontext einordnen kann? In letzter Konsequenz sollte Luther samt Reformation gleich mit abgeschafft werden.“

Hartung verwies darauf, dass das Jüdische seit mehr als 3000 Jahren Teil der abendländischen Geschichte und Lebensweise sei. „Der Pfarrer der Stadtkirche, Johannes Block, hat völlig Recht, wenn er meint, dass sich Geschichte nicht einfach entsorgen lässt und uns an Dunkles gemahnt. Es ist eine hanebüchene Behauptung der Initiative, dass ‚nur die Entfernung der Schmähskulptur die ernsthafte Abkehr der evangelisch-lutherischen Kirche von ihrem geschichtlichen Erbe des Antisemitismus sichtbar machen‘ könne. Das sind kindliche Charaktere, die sich die Hände vor das Gesicht halten und behaupten, sie wären gar nicht da“, so der stellvertretende sächsische AfD-Chef abschließend.

Die Mahnwachen des „Bündnisses zur Abnahme des Reliefs im Reformationsjahr 2017“ auf dem Wittenberger Marktplatz finden bis zum 21. Juni jeweils mittwochs in der Zeit von 15 bis 19 Uhr statt.

Letzte Änderung am Donnerstag, 18 Mai 2017 02:38
Artikel bewerten
(9 Stimmen)
Bitte anmelden, um einen Kommentar zu posten

TEAM