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Verstoß gegen das Berliner Neutralitätsgesetz?

Berlin: Streit um christliches Symbol einer Lehrerin

Mittwoch, 17 Mai 2017 22:11 geschrieben von  Johann W. Petersen
Ichthys-Symbol Ichthys-Symbol Quelle: pixabay.com

Berlin – Im Berliner Arbeiterbezirk Wedding steht eine Lehrerin am Pranger, weil sie zum wiederholten Mal mit einem christlichen Symbol an ihrer Halskette zum Unterricht gekommen ist. Was noch vor wenigen Jahren niemanden gejuckt hätte bzw. als ganz normal empfunden worden wäre, ist für die „Berliner Zeitung“ eine „bewusste Provokation“. Der aktuelle Streit um die christliche Pädagogin hatte ein Vorspiel: Bereits im April wurde ihr untersagt, mit einem Kreuz an der Kette zur Schule zu kommen. Sie tauschte das Kreuz daraufhin gegen einen Fisch aus, der nun ebenfalls Stein des Anstoßes ist.

Im sogenannten Berliner Neutralitätsgesetz von 2005 ist festgelegt, dass Lehrkräfte, Polizisten und Justizbedienstete im Dienst keine religiösen Symbole tragen dürfen – also weder Kopftuch noch Kippa oder Kruzifix. Ausgenommen sind Referendare und Lehrer an Berufsschulen, weil die Schüler dort älter sind und als „weniger beeinflussbar“ gelten. Im Fall der Lehrerin hatte zunächst die Schulleitung der Frau das Tragen des Kreuzes mit dem Verweis auf das Neutralitätsgesetz untersagt. Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) billigte die Entscheidung, weil es sich bei dem „auffällig großen Kreuz“ um mehr als ein Schmuckstück gehandelt habe.

Bei dem jetzigen Anhänger handelt es sich um ein sogenanntes Ichthys-Symbol, einen stilisierten Fisch, der aus zwei gekrümmten Linien besteht, die im hinteren Teil als Flosse zusammenlaufen. Nach einer Beschwerde wegen des Fisch-Kettenanhängers reagierte die Schulaufsicht prompt: „Wenn es ein religiöses Symbol ist, muss es abgenommen werden.“ Die Lehrerin fühlt sich nach Angaben eines Vertrauten aus ihrem privaten Umfeld gemobbt. Interessanterweise wurde der Ichthys schon im Urchristentum als Geheimsymbol genutzt, um sich keiner Verfolgung auszusetzen. An diese Zeiten fühlen sich manche nun wieder erinnert.

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