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Rechtspopulismus in Dresden

Björn Höcke (AfD) bei PEGIDA auf dem Postplatz

Mittwoch, 16 Mai 2018 23:31 geschrieben von  Jan Erbenfeld
Gespannte Aufmerksamkeit am Montag auf dem Postplatz Gespannte Aufmerksamkeit am Montag auf dem Postplatz Quelle: Jan Erbenfeld

Dresden – „Vielen Dank, daß ich da sein darf“, meint der Redner mit dem Pathos der Bescheidenheit vor den Tausenden auf dem Dresdner Postplatz. Und dann auch noch bei „Kaiserwetter“ an diesem sommerlichen 14. Mai, der 145. PEGIDA in der Landeshauptstadt. Der Auftritt Björn Höckes bei PEGIDA ist eine Premiere, und das Publikum jubelt wie bei einem Messias. Was aber hat der umstrittene Thüringer AfD-Chef den erwartungsvollen Dresdnern zu sagen?

Zunächst Schmeicheleien für seine Zuhörer, die seit dreieinhalb Jahren „für eine Politik des gesunden Menschenverstandes“ auf die Straße gegangen seien und ein starkes Zeichen für die „kollektive und individuelle Menschenwürde“ gesetzt hätten. Dem entspräche, „in einer über Generationen gewachsenen Gemeinschaft“ zu leben und einen „angestammten Raum“ als Heimat zu besitzen. PEGIDA kämpfe für Menschenwürde, Volkssouveränität, ja das Freiheits- und Heimatrecht „aller Völker dieser Welt“, klingt es salbungsvoll über den Platz.

Begrüßen möchte Höcke die anwesenden Thüringer Landsleute. Sachsen und Thüringer stünden seit Anbeginn „Schulter an Schulter“ zusammen. Mancher habe freilich seine „Einzelinteressen“ über die „Gemeinwohlinteressen“ gestellt, sogar ein Parteiausschlußverfahren hätten diese „Funktionärstypen“ gegen ihn angestrengt. Die Menge stöhnt auf, verfällt aber sogleich in den Jubelmodus, als Höcke den doch erfolgten „Freispruch“ thematisiert, womit nichts weniger als „die Einheit der AfD“ gesichert sei.

Dann zum Amtseid der Bundeskanzlerin, deren Namen er gar nicht aussprechen wolle. Während diese und ihr Kabinett geschworen hätten, die Gesetze zu achten, genügte 2015 ein Anruf des damaligen Bundesinnenministers de Maiziere bei den leitenden Diensstellen der Bundespolizei, um Dublin-III-Abkommen, Grund-, Asyl- und Aufenthaltsgesetz außer Kraft zu setzen. Unter der „Ägide der Altparteien“ sei die Bundesrepublik zu einer „despotischen Bananenrepublik“ geworden.

Der ganze Vortrag wirkt merkwürdig aufgesetzt, selbstverliebt und bleibt doch inhaltsleer. Anstatt nüchterner Analysen und treffsicherer Pointen bietet Björn Höcke suggestive Siegeszuversicht jenseits der Realitäten und nährt trügerische Illusionen. Auch wenn die Sachsen-AfD bei den Landtagswahlen 2019 mit einem respektablen Ergebnis rechnen könnte, bliebe noch immer die Frage nach möglichen Bündnispartnern. Die begeisterten „Spaziergänger“ kennen diese Skepsis nicht, doch inwieweit sind sie selbst noch repräsentativ für die Elbmetropole?

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