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PEGIDA auf dem Dresdner Neumarkt

Die Meinungsumfrage

Donnerstag, 17 August 2017 04:13 geschrieben von  Jan Erbenfeld
Die Meinungsumfrage Bildquelle: PIXABAY.COM

Dresden – 122. Dresdner PEGIDA-Veranstaltung auf dem Neumarkt. Alles wie gehabt: ein prall gefüllter Veranstaltungsplatz, neugierige Touristen, die sich das bunte Schauspiel an der Frauenkirche nicht entgehen ließen, Redebeiträge von Renate Sandvoß, Wolfgang Taufkirch, Siegfried Däbritz, lärmende Antifa und ein obligatorischer „Spaziergang“ bei strahlendem Sommerwetter durch das Stadtzentrum.

Wäre da nicht die aus der PEGIDA-Ordner-Gruppe hervorgegangene „Ines“, welche einst mit einer leicht wehleidigen Ansprache am Dresdner Hauptbahnhof debütierte und später auch als Versammlungsleiterin in Erscheinung trat. Es werde „ein bißchen trocken“, meinte die hagere Frau bescheiden, bot dann aber einen der launigsten Vorträge, der je von einer Dresdner PEGIDA-Bühne herab geboten wurde. Ein Kabinettstück mit sächsischem Mutterwitz, der bei den Zuhöreren keinen Zweifel aufkommen ließ, sich im Herzen des weiß-grünen Freistaats zu befinden.

Da war ein Brief, den „Ines“ vor Tagen im Postkasten fand, Absender: Oberbürgermeister Dirk Hilbert, selbstredend kein Freund der Pegidianer. 56 Punkte auf 10 Seiten, Thema: Meinungsumfrage zum Klimawandel in Dresden. Nein, wir wollen uns hier nicht auf ein Für und Wider dieser heiklen Problematik einlassen. Wenig überraschend hieß es von „Ines“ nur, das Thema Klimawandel sei eine „ausgedachte Lüge“. Weit unterhaltsamer schien die galoppierende Neugier, mit der die Stadtverwaltung selbst die intimsten Verhältnisse, die „Wünsche und Lebensumstände der Bürger“, der Dresdner zu erfragen suchte - und wie schlagfertig „Ines“ damit umging.

Gefragt war, zwecks statistischer Auswertung, die „Zufriedenheit über das Angebot an Grünflächen“ und dessen in Aussicht gestellte Verbesserung. 12 500 Dresdner wären „per Zufallsverfahren“ aus dem Melderegister ausgewählt worden, Rückschlüsse auf die jeweilige Person gar nicht möglich. Warum dann der Strichcode mit dem Anfangsbuchstaben des Familiennamens unter den Papieren, der eine Zuordnung doch nahelege? Gelächter auch, als hochnotpeinliche Fragen zur Wohnung - Größe, Ausstattung, Beschaffenheit, Himmelsrichtung einzelner Zimmer – aus den Lautsprecherboxen klangen.

Allmählich geriet „Ines“ in Rage. Nach morgendlicher „Ficki-Ficke“-Anmache in der Dresdner Neustadt und zehn Stunden Arbeit habe sie einfach keine Lust auf Erholung in öffentlichen Grünflächen, die vornehmlich von „dunkelhäutigen und kopftuchtragenden Neubürgern“ bevölkert seien. Erst am Wochenende hatte es im Alaunpark eine „Schlägerei mit Dachlatten“ gegeben. Ob die Zuhörer auch Dachlatten mitbrächten, wenn sie spazieren gingen? Selbst Dresdens Großer Garten sei zum Drogenumschlagplatz verkommen, auf den Wiesen lägen Spritzen und Tütchen, Kinder sollte man da nicht mehr spielen lassen. Bald werde man in Dresden einen „Görlitzer Park 2.0“ haben. Soviel also zu Punkt 16: „Warum meiden Sie öffentliche Grünflächen?“

Weitere Fragen zum Verhalten bei anhaltender Hitze, der Aufenthaltsdauer am Arbeitsplatz und deren mögliche Antworttexte provozierten „Fremdschämen“ und überhaupt: Das „hier verschleuderte Geld“ könne wahrlich besser eingesetzt werden: Für marode Schulen und Kindereinrichtungen, freies Schulessen für die Grundschüler, Unterstützung für Obdachlose und Sportvereine, oder gar den (seit 1991 geschlossenen) Dresdner Fernsehturm? Anhaltender Jubel, denn mit der Wiedereröffnung des Fernsehturmes - einer Lieblingsidee der Dresdner - ließen sich an der Elbe Wahlen gewinnen. Um Wahlen zum nächsten Bundestag aber geht es am kommenden Montag, beim Wahlkampfauftakt der AfD an der Frauenkirche.

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