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Rechtspopulismus in Dresden

Drei Jahre PEGIDA auf dem Theaterplatz

Dienstag, 31 Oktober 2017 12:09 geschrieben von  Jan Erbenfeld
Holpriger Beginn - PEGIDA auf dem Theaterplatz Holpriger Beginn - PEGIDA auf dem Theaterplatz Quelle: Jan Erbenfeld

Dresden – Als die „Geburtstagsfeier“ durch Heranbringung mehrere Notstromaggregate endlich beginnen kann, sind mehr als 60 Minuten vergangen. Derweil haben an die 5000 Pegidianer geduldig ausgeharrt, sich mit Sprechchören bei Laune gehalten oder den spontan per Megaphon verstärkten Ansprachen von Götz Kubitschek und Martin Sellner gelauscht. Dann gibt es zwei Stunden lang eine Mischung aus Großsprech, Anti-Islam-Klamauk, politischem Wunschdenken und tantenhaftem Zuspruch, wofür neben den schon Genannten, Lutz Bachmann, Jürgen Elsässer, Renate Sandvoss, Siegfried Däbritz und der Brite Tommy Robinson sorgen.

Während die Rechtspopulisten auf dem Theaterplatz sich selbst feiern, haben die Dresdner Stadtspitze, Anti-Rassismusgruppen, der Multikulti-Verein „Herz statt Hetze“, die Linkspartei und der Studentenrat der TU zu Gegendemonstrationen aufgerufen. Mit OB Dirk Hilbert und Wirschaftsminister Martin Dulig demonstriert man unter roten Fahnen „Für eine weltoffenene Gesellschaft“, zeigt sich Kulturstaatsministerin Eva-Maria Stange enttäuscht, daß PEGIDA noch immer vor der Semperoper demonstrieren darf, heißt es „Antifaschismus bleibt notwendig“ vor dem Polizeipräsidium.

Die Gegensätze könnten an diesem Sonnabendnachmittag nicht größer sein, was aber soll all der Mummenschanz? Von dem Aufbruch 2014/15, der wohl kaum einen Sachsen unberührt gelassen, ist nach drei Jahren - außer den Woche für Woche am Nasenring durch die Innenstadt geführten „Spaziergängern“ - kaum mehr etwas geblieben. Die Dynamik von einst ist erstarrten Ritualen und einer dreist zur Schau gestellten Unprofessionalität gewichen, nicht etwa der Erkenntnis, angesichts einer historischen Herausforderung vielleicht versagt zu haben. Ohne Idee und politische Konzeption ist der immer wieder beschworene „Widerstand auf der Straße“ zum unfruchtbaren Selbstzweck verkommen, der die Interessen einer widerständigen Bürgerschaft längst der Lächerlichkeit preisgibt.

Immerhin können die Erfolge der Alternative für Deutschland (AfD), die ohne die ausdauernden Dresdner Islamkritiker kaum in dieser Deutlichkeit möglich gewesen wären, als Argument für eine politische Wirkung Gültigkeit beanspruchen. Das farbenfrohe Gepränge vor ehrwürdigen Barockfassaden hat die politische Atmosphäre der letzten Jahre mitgeprägt und weit über die Landesgrenzen hinaus für frischen Schwung und neue Hoffnung sorgen können. Wie auch immer sich die politischen Verhältnisse in Deutschland entwickeln mögen, die Bachmanntruppe hat dazu manchen Impuls geliefert und wird sich das wohl auch im vierten Jahr ihres Bestehens nicht nehmen lassen.

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