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PEGIDA auf dem Dresdner Altmarkt

Größenwahn und Katzenjammer

Donnerstag, 10 August 2017 00:24 geschrieben von  Jan Erbenfeld
PEGIDA-Anhänger am Montag auf dem Dresdner Altmarkt PEGIDA-Anhänger am Montag auf dem Dresdner Altmarkt Quelle: Jan Erbenfeld

Dresden - 121. Pegida-Demonstration bei strahlendem Sommerwetter auf dem Altmarkt. Zweiter Redner ist Lutz Bachmann, der zu Beginn seine Besuche bei den Wahlkampfauftaktveranstaltungen der AfD in Helbra und Dresden reflektiert. Wenn sich nur Beatrix von Storch, die toughe AfD-Europaabgeordnete, am 6. August beim Sommerinterview des RBB nicht klipp und klar für einen Parteiausschluß Björn Höckes ausgesprochen hätte! Die Pegidianer murren dumpf. Nun die Leier von der „Vernetzung der patriotischen Bürgerbewegungen“. Die üblichen Textbausteine: „Politverbrecher - Bonzen des Merkelregimes – Kreaturen - Systempresse“ - gemischt mit Selbstbeweihräucherungen (PEGIDA = leuchtendes Vorbild), schließlich: Man treibe die Politik „wie eine Sau“ vor sich her. Hm … Klingt, als hätten Bachmann und die AfD ein triumphales Wahlergebnis fast in der Tasche. Dabei ist von der größen Empörung 2014/15 nicht mehr geblieben, als ein harter Kern von 3000 Unentwegten, die jeden Montag durch Dresden „spazieren“.

Realistischere Töne schlägt Siegfried Däbritz an. Der stämmige Meißner verzichtet auf Verbalinjurien, wirkt authentisch. Däbritz‘ Wut ist echt, aber auch er hat keine Erklärung für die Lethargie, die in seiner Wahrnehmung nicht allein die Westdeutschen an den Tag legen. Die Analogie zu 1989 geht freilich fehl: Während damals eine große Mehrheit in Mitteldeutschland der DDR den Gehorsam aufgekündigt hatte und einen harten Bruch als Voraussetzung einer Erneuerung für unabdingbar hielt, gibt es 2017 eine große Mehrheit BRD-Bürger, inständig darauf hoffend, daß sich so wenig wie möglich verändern möge, während sich doch faktisch alles ändert. So muß auch hier alle Hoffnung irrational bleiben, ein nüchterner Appell an das Pflichtgefühl der Versammelten. „Widerstand“, skandiert das Publikum, wie so oft schon, hin- und hergerissen zwischen Selbstüberschätzung und Katzenjammer.

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