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AfD Parteiausschlussverfahren

Innerparteilicher Widerstand gegen Björn Höcke sinkt rapide

Donnerstag, 13 April 2017 01:13 geschrieben von 
Nicht nur mit dieser Werbeaktion fühlt sich Björn Höcke gegenüber dem Petry-Pretzell-Lager innerhalb der AfD bestärkt Nicht nur mit dieser Werbeaktion fühlt sich Björn Höcke gegenüber dem Petry-Pretzell-Lager innerhalb der AfD bestärkt Quelle: Björn Höcke, Facebook

Berlin - Ein Parteiausschluss stellt im Parteienrecht die schärfste Ordnungsmaßnahme dar. Der Verlust der Mitgliedschaft beseitigt die Möglichkeit der Teilhabe an der politischen Willensbildung. Der Gesetzgeber setzt deshalb erhöhte Anforderungen für einen Parteiausschluss voraus. Ein Mitglied kann nur dann ausgeschlossen werden, wenn es vorsätzlich gegen die Satzung oder erheblich gegen Grundsätze oder Ordnung der Partei verstößt und ihr damit schweren Schaden zufügt.

Schwerlich ist der Begriff "Grundsätze" zu fassen. Für welche „Werte“ steht die Partei als Orientierungspunkt im Parteienwettbewerb für den Wähler? 

Die AfD-Chefin Frauke Petry tritt in Koblenz gemeinsam mit Marine Le Pen und Geert Wilders auf, spricht von einer „systemischen Gehirnwäsche“, fordert eine „geistige und moralische Wende“ und will den Begriff "völkisch" wieder positiv besetzen. Eine Differenzierung der Grundsätze über den genauen Inhalt und die Reichweite der Grundsätze zu den Äußerungen eines Björn Höcke vermag der Wähler da nur schwerlich zu erkennen. 

Selbst grundlegende programmatische Aussagen fehlen noch in der AfD. Deshalb dürfte auch das Kriterium der Erheblichkeit eines Grundsatzes nur unbestimmt messbar sein. Der Slogan „Mur zur Wahrheit“ eröffnet einer jungen Partei einen größeren Bereich der freien internen Meinungsäußerung, was sich bei öffentlichen Parteiversammlungen als Stätten der intensiven Diskussion und Auseinandersetzung zeigen soll. Zugleich soll der Slogan „Mut zur Wahrheit“ die Kritikrechte des einzelnen Mitglieds stärken. Kritische Anmerkungen von Björn Höcke zur Parteiendemokratie oder zur Demokratieentwicklung unter dem Gesichtspunkt des „Ehernen Gesetzes der Oligarchie (Robert Michels)“ reichen wohl für einen Ausschluss nicht aus. 

Wie BILD berichtet, soll der sechzig seitige Antrag Björn Höcke mit Adolf Hitler vergleichen und Höcke in seinen Äußerungen eine nicht zufällige Wort- und Sinnverwandtschaft zu den Reden von Adolf Hitler unterstellen. Das „Höcke-Lager“ feiert Höcke hingegen als eine „herausragende Person des Widerstands“ und will am Bundesparteitag möglicherweise das Ausschlussverfahren beenden. 

Verschiedene Sachanträge des „Petry-Lagers“, wie etwa die strategische Ausrichtung der Partei oder die Ergänzung des Grundsatzprogramms oder die Frage der Spitzenkandidatur, deuten auf einen Machtkampf zwischen dem „Petry-Pretzell-Lager "und dem „Gauland-Meuthen-Höcke-Lager“ hin. 

Das Parteiausschlussverfahren mit ungewissem Ausgang scheint der AfD letztlich mehr zu schaden als für den Bundeswahlkampf tatsächlich dienlich zu sein.

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Josef Mühlbauer

Dipl. Kfm. Josef Mühlbauer, München

Vita: Nach dem Abitur folgte ein Studium der Wirtschaftswissenschaft und der Rechtswissenschaft  an der Uni München. Mit dem Abschluss Diplom Kaufmann und in Jura dem ersten und zweiten Staatsexamen mit Referendars-Ausbildung hat er seine Universitätszeit abgeschlossen. Danach war Josef Mühlbauer als Vorstandsassistent und dann Leiter Recht und Finanzen in einer großen Aktiengesellschaft tätig.

Dem folgte eine Zeit als freiberuflicher Rechtsanwalt und freier Unternehmensberater in einer Beratungsfirma. Später war Josef Mühlbauer für größere Firmen zuständig.

Zuletzt engagierte er sich im gemeinnützigen Bereich im Rahmen politischer Bildung und gilt als ausgewiesener Spezialist insbesondere für Parteienforschung und Parteienfinanzierung.

Webseite: www.sachsen-depesche.de/show/author/54-josef-mühlbauer.html
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