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PEGIDA auf dem Dresdner Neumarkt

Je suis banana?

Dienstag, 05 September 2017 22:46 geschrieben von  Jan Erbenfeld
Je suis banana? Quelle: Jan Erbenfeld

Dresden – 124. Veranstaltung der PEGIDA in der Landeshauptstadt am 4. September 2017 an der Frauenkirche. Sicher, durch besonderen Humor ist der diesmal anwesende PEGIDA-Gründer Bachmann in den zweieinhalb Jahren seiner Volksrednertätigkeit eigentlich nicht aufgefallen. Eher durch ein vulgäres Politsprech voll abgedroschener Phrasen, woran sich sein Publikum mittlerweile gewöhnt zu haben scheint. Heute aber zeigt Bachmann nicht nur keinen Humor, offenbar versteht er auch den Sinn von Satire nicht. So schwadroniert er wichtigtuerisch von „Trittbrettfahrern“, die in letzter Zeit im Umfeld seiner „Bewegung“ unterwegs seien. Das „Orgateam“ habe darüber diskutiert, distanziere sich und empfinde es als „No-Go“, wenn Symbole Deutschlands, wie Hymne, Fahne usw., „in irgendeiner Weise verunglimpft“ würden.

Was also war passiert, hatte dieses aufgeblasene Statement auf der PEGIDA-Bühne hervorgerufen? Offenbar geht die Geschichte auf E., einen Dresdner PEGIDA-Gänger im Rentenalter zurück, der seit über zwei Jahren mit einer schwarz-rot-goldenen Flagge „Bananenrepublik Deutschland“ am Dresdner Demomontag seinen Unmut über die politischen Verhältnisse zum Ausdruck bringt. Gestört hat das bisher keinen, im Gegenteil. Bis zu jenem Tag im August, als Polizeibeamte jene Fahne beschlagnahmten und dem verdutzten E., statt seines Corpus Delicti, ein „Sicherstellungsprotokoll“ aushändigten. Seitdem ermittelt die Staatsanwaltschaft.

Dies aber wollte die Bürgerinitiative „Heidenauer Wellenlänge“ um die smarte Madeleine Feige nicht auf sich beruhen lassen und sorgte am 28. August am Rande der PEGIDA-Demo mit einer Kunstaktion im Zeichen der Solidarität für einiges Aufsehen. Abermals beschlagnahmte die Polizei neun Bananenfahnen und nahm von sieben Akteuren beiderlei Geschlechts die Personalien auf. Außerdem muß sich ein Dresdner seitdem wegen „Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte und Beleidigung“ verantworten.

Auch wenn, laut Madeleine Feiges Facebookseite, die Polizei an diesem Montag auf dem Altmarkt ein „Nichteinschreiten bei Bananenfahnen“ signalisiert, ist das Kind doch längst in den Brunnen gefallen, die sächsische Landeshauptstadt um einen Schildbürgerstreich reicher. Und was tut Bachmann? Hätte er nicht als Rechtspopulist die provinzielle Narretei unter donnerndem Applaus an den Pranger stellen und mit einiger Berechtigung fragen können, ob denn unsere hoffnungslos überlasteten Polizeibeamten keinen wichtigeren Aufgaben nachzugehen hätten, als dem „Einschreiten“ beim Zeigen von - Bananenflaggen? Muß man harmlose Späße beargwöhnen, anstatt den Leuten ihren Spaß zu lassen und ganz einfach mitzuschmunzeln?

Letzte Änderung am Donnerstag, 07 September 2017 12:00
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