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Schriftsteller setzt auf Angela Merkel und ihre „Willkommenskultur“

Martin Walser für Donald Trump, aber gegen die AfD

Freitag, 06 Januar 2017 20:33 geschrieben von 
Martin Walser, Köln 2010 Martin Walser, Köln 2010 Quelle: de.wikipedia.org | Elke Wetzig (Elya) | CC BY-SA 3.0

Wasserburg am Bodensee – Der Schriftsteller Martin Walser, dessen neuer Roman „Statt etwas oder Der letzte Rank“ soeben bei Rowohlt erschienen ist, hat in einem Interview mit der „Bild“-Zeitung sein während einer öffentlichen Veranstaltung ausgesprochenes Plädoyer für Donald Trump verteidigt. „Ich hatte angedeutet, dass ich drei Präsidenten erlebt habe, die nicht aus der politischen Klasse kamen: Reagan, Obama, Trump. Ich bezeichnete das als ein interessantes Phänomen für die USA. Hillary Clinton war schön und ehrgeizig, aber ganz aus der politischen Klasse, und dann ist da dieser irrsinnige Wildling mit seinen komischen Sätzen“, so der Träger des Friedenspreises des deutschen Buchhandels und weiterer Auszeichnungen, der am 24. März seinen 90. Geburtstag feiert.

Weniger positiv schätzt Walser, der mit seiner Frankfurter Paulskirchenrede von 1998, in der von einer „Instrumentalisierung des Holocaust“ sprach, eine breite Debatte ausgelöst hatte und sich später wegen der Angriffe auf Marcel Reich-Ranicki in seinem Schlüsselroman „Tod eines Kritikers“ Antisemitismusvorwürfen ausgesetzt sah, hingegen die AfD ein. Diese werde wieder „von selbst verschwinden“, sagte er im „Bild“-Interview. 

Zur AfD führte der Schriftsteller weiter aus: „Ich bin kein Arzt der Nation, aber unter gewissen Umständen kommt etwas heraus, was wir noch nicht bewältigt haben. Und da ist ein Bedarf an Aufklärung, damit die AfD vergessen werden kann. Soweit ich Kenntnis habe, hat diese Partei keine politische Substanz, sie bewirtschaftet nur ein Ressentiment, nur etwas, was noch nicht bewältigt ist. Das genügt nicht, um Bestand zu haben.“ Parteien wie die AfD würden „mobilisiert, wenn die Gesamtgesellschaft sich in einer kranken Bewegung“ befinde, wie dies durch die Flüchtlingskrise geschehen sei. „Aber zum Glück haben wir Angela Merkel, sie ist die ideale Politikerin für diese Situation“, so Walser. 

Der bekannte Romanautor hatte die Bundeskanzlerin bereits im Mai 2016 in einem „Bild“-Gastbeitrag anlässlich des Jahrestages der Unterzeichnung des Grundgesetzes als „Lichtgestalt“ bezeichnet. Es sei Merkel zu danken, so Walser, „dass sie so menschlich wie freimütig dieses Entwicklungsland Deutschland in der Welt zum Land der Willkommenskultur gemacht“ habe. Kritiker warfen dem Schriftsteller, der in den sechziger und siebziger Jahren als DKP-nah galt, daraufhin Opportunismus vor. Seine erneute Eloge auf Angela Merkel dürfte dazu beitragen, dieses Bild zu verfestigen.

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Michael Krug

Michael Krug (Jahrgang 1974) kam vor Jahren aus dem norddeutschen Hamburg nach Sachsen.

Seine alte und seine neue Heimat verbindet die Elbe. Heute pendelt er zwischen Dresden und Frankfurt am Main. Ursprünglich aus der volkswirtschaftlichen Richtung kommend, entwickelte sich der studierte Journalist zu einem Vollblutberichterstatter aus Politik, Medien, Lifestyle, Kultur und Wirtschaft. Seit Mai 2016 gehört er unserer Redaktion an.

Webseite: https://www.sachsen-depesche.de/show/author/55-michael-krug.html
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