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Rechtspopulismus in Dresden

PEGIDA-Jahresauftakt mit „Zahlenspielen“ von Lutz Bachmann

Freitag, 18 Januar 2019 21:01 geschrieben von  Jah Erbenfeld
PEGIDA am Montag in Dresden PEGIDA am Montag in Dresden Quelle: Jan Erbenfeld

Dresden – 14. Januar 2019, 168. PEGIDA in der Landeshauptsstadt vor der Frauenkirche. Nach Wolfgang Taufkirch und Siegfried Däbritz greift ein Gastredner zum Mikrophon: Christoph Berndt vom Cottbuser Bündnis „Zukunft Heimat“ (der als Listenzweiter für die AfD im Brandenburger Landtagswahlkampf nominiert wurde). Berndt beschwört die Einheit von AfD und Bürgerbewegungen, die allein zum Erfolg führe. „Ei-nig-keit“, skandieren die vielleicht 1500 Pegidianer reflexhaft. Dann steht Lutz Bachmann auf dem Sprecherwagen. 2019 werde für Sachsen ein Jahr großer Entscheidungen und Veränderungen. Viel werde spekuliert, wie PEGIDA sich anläßlich der Landtagswahlen verhalten würde: PEGIDA-Partei? Listenplätze usw. Auch hätten „Spinner“ behauptet, Bachmann und Däbritz würden für den Verfassungsschutz arbeiten (um die AfD kaputtzumachen), oder wären gar „Teil der jüdischen Weltverschwörung“.

Doch die Bürgerwegung PEGIDA, so deren Gründer weiter, lasse sich nicht kaufen, jene „Patrioten auf der Straße“ hätten keine Lust, „Parteisoldaten“ zu sein. Die AfD, für die man über Jahre den „Steigbügelhalter“ gespielt habe, verändere sich mit Redeverboten und Distanzierungen auf Bundesebene zu einer „CDU light“. Er, Bachmann, werde sich jedoch keineswegs gegen die Sachsen-AfD positionieren. „Grundfalsch“ wäre es aber, sich als Bürgerbewegung überhaupt so nah an eine Partei zu binden. Es sei vielleicht einer der größten Fehler gewesen, diese „Überparteilichkeit“ zu vergessen. Und vielleicht sind in den letzten Monaten und Jahren gerade deswegen weniger Menschen gekommen? Deshalb wolle sich Bachmann heute bei „allen Patrioten (die dies kritisiert hätten) entschuldigen“. Er und „das Team“ seien sich einig, man werde wieder zu besagter Überparteilichkeit zurückfinden, welche „Menschen aus allen möglichen Richtungen“ vereint habe.

Dabei habe PEGIDA tatsächlich vorgehabt, als „Freie Liste“ bei den Wahlen anzutreten. Gedacht für Vertreter von Bürgerbewegungen aber auch abtrünnige AfDler, die durch ihren Austritt die Partei wieder auf „mitteldeutschen Kurs“ zu bringen suchten. Der Plan wurde aber „durchkreuzt“, als Andre Poggenburg mit seiner AdP eine „Neue Heimat“ für patriotische und nationalkonservative Kräfte“ ausgerufen hatte. Bachmann aber habe noch immer „einen Traum“ von einem „blauen Ministerpräsidenten“, nur o h n e die CDU! Nach Poggenburgs Austritt werde die AfD vielleicht für bisher Unentschlossene besser wählbar sein. Deshalb hoffe er, daß die Partei jetzt noch mehr Zulauf bekomme. Allerdings wäre Poggenburgs „Ausgründung“ eher eine Chance, weitere Stimmen für das „konservativ-patriotische Lager zu generieren“. Zuletzt noch ein „Zahlenspiel“ (für die sächsische Landtagswahl): Die AfD käme danach auf 27 %, dazu Poggenburgs Truppe AdP mit 8 – 11 %, außerdem traue Bachmann den Freien Wählern (FW) 8 – 10 % zu, was zusammen 45 Prozent bedeuteten, die für den „blauen Ministerpräsidenten“ dann auch reichen sollten.

Das Publikum jubelt. Ob der PEGIDA-Gründer selbst an jene Weisheiten glaubt, die er seinen Anhängern hier auf dem Dresdner Neumarkt im Brustton der Überzeugung auftischt?

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