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„Opium fürs Volk“

PEGIDA nach dem Landesparteitag der Sachsen-AfD

Dienstag, 06 Februar 2018 20:17 geschrieben von  Jan Erbenfeld
Aufbruchstimmung? PEGIDA in Dresden (Archivbild) Aufbruchstimmung? PEGIDA in Dresden (Archivbild) Quelle: Jan Erbenfeld

Dresden – 136. PEGIDA vor der Frauenkirche. Die Innenstadt vibriert, was nicht nur den zahllosen Polizeitransportern geschuldet ist, die seit dem Nachmittag auf den Straßen unterwegs sind. Während die Pegidianer für einen gefüllten Neumarkt sorgen - 5000 Demonstranten könnten es sein - übernehmen junge Leute von der Antifa die Geräuschkulisse, donnern Beats aus einem LKW mit der Aufschrift „Mimimi-Extremismustheorie“. Irgendwo steht auch Sven Liebich, der quirlige „Eulenspiegel“ aus Halle, dem Dresdner „Spaziergänger“ dann im Vorbeigehen auf die Schulter klopfen. Auch die nimmermmüde Dame in Weiß von staatenlos.info ist wieder auf dem Platz. Neben den Wirmer-Flaggen des 20. Juli 1944 wehen identitäre Lambdas auf gelbem Grund, Bayern-, Sachsen- und Deutschlandfahnen. Eine vorbeihuschende ältere Frau verteilt Flugblätter „STOP-Smartmeter“, denn mit den neuen Stromzählern komme auch die Überwachung … Könnte man die Vitalität all der Betrebungen auf diesem engem Raum bemessen, hätten wir heute einen guten Wert.

Auch wenn die Ansprachen von Taufkirch, Bachmann und Däbritz kaum Neues bieten, ist dies kein Montag unter vielen. Nach Monaten der Stagnation spürt man unterschwellig jene Aufbruchstimmung, zu der auch der Landesparteitag der Sachsen-AfD am vergangenen Wochenende inspirieren mag. In Hoyerwerda haben die AfDler eine neue Landesspitze gewählt und schon im Vorfeld hatte die Vision von den 2019 gewonnenen sächsischen Landtagswahlen, gar der Traum vom „blauen Ministerpräsidenten“, die Gemüter elektrisiert. Unrealistisch? Gerade ließen die Sachsen bei den Bundestagswahlen im Vorjahr die AfD mit 27 % zur stärksten Kraft im Freistaat werden. Seitdem ist die sächsische Union nur noch ein Schatten ihrer selbst. Jetzt also gibt es wieder ein Ziel, die AfD soll gewinnen und dies im Bunde mit PEGIDA.

Daran läßt auch der mit 90 Prozent der Stimmen zum sächsischen AfD-Vorsitzenden gewählte Jörg Urban keinen Zweifel. Der 53-jährige Ingenieur kommt aus der Umweltbewegung und hat nach einem Intermezzo bei den Piraten in der AfD Karriere gemacht: Stadtrat, Landtagsabgeordneter, Chef von Landtagsfraktion und nun Landespartei. Politisch eher blaß und nicht gerade als Gegner seiner Vorgängerin Frauke Petry bekannt, will er jetzt mit PEGIDA das Abendland retten. Für Urban aber ist Religion „Opium fürs Volk“ (Karl Marx), „unwissenschaftlicher Irrglauben“, wie der bekennende Atheist noch in einem (inzwischen gelöschten) Facebookeintrag vom Oktober 2017 polemisierte. Doch haben nicht erst Atheismus und Relativismus das kulturelle Vakuum in Europa geschaffen, in das der gerade von PEGIDA kritisierte Islam unaufhaltsam vordringt?

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