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Zwischen Stiller Nacht und Disneyland

PEGIDA-Weihnachten 2017 auf dem Theaterplatz

Freitag, 22 Dezember 2017 15:07 geschrieben von  Jan Erbenfeld
Lutz Bachmann und PEGIDA auf dem Theaterplatz Lutz Bachmann und PEGIDA auf dem Theaterplatz Quelle: Jan Erbenfeld

Dresden – Vielleicht muß man außerhalb der Grenzen der heutigen BRD geboren sein, um als Vertreter einer archaischen Gedankenwelt jenes urtümliche Deutsch zu sprechen, wie es der in Temeschburg zur Welt gekommene, rumäniendeutsche AfD-Politiker Thomas Tillschneider (MdL) am Sonnabend auf dem Theaterplatz tat. Nach einem Exkurs zur deutschen Sprache („In der deutschen Sprache ist ein deutsches Denken eingeschrieben“) schlug der promovierte Islamwissenschaftler den Bogen, hin zu den christlichen und heidnischen Wurzeln des Weihnachtsfestes. Genau darum ging an diesem Nachmittag des 16. Dezember, beim vierten Weihnachtsliedersingen der Dresdner PEGIDA.

Deutsche Weihnacht, Schwibbögen im Lichterschein, Inbrunst des Feierns, Stille Nacht, heilige Nacht, „es weihnachtet“, Innehalten – all dies sei „nur von deutschen Menschen wirklich zu verstehn“, den Antideutschen aber ein „Dorrrrn“ im Auge. Als die Germanen einst das Christentum angenommen hatten, wurde es ihnen nicht von „Einwandererhorrrrden“ aufgezwungen, sondern in freier Entscheidung übernommen. Und doch schwinge im Weihnachtsfest weit mehr mit, als nur der christliche Mythos: der Baum als uraltes germanisches Symbol, die Wintersonnenwende, welche man seit 7000 Jahren um den 21. Dezember herum feierte. Heidnische und christliche Wurzeln des Festes aber seien nicht voneinander zu trennen. Heute ginge es darum, die Tradition lebendig zu erhalten und dafür zu sorgen, „daß noch in tausend Jahren“ ein deutsches Volk lebe und eine deutsche Weihnacht gefeiert werde. Tosender Beifall der vielleicht 2000 Pegidianer vor der Semperoper.

Weihnachtslieder mit „Ramona“ gab es im Anschluß. Auch PEGIDA-Gründer Bachmann hatte noch seinen großen Auftritt. Vom König-Johann-Denkmal herunter versteigerte er lärmend signierte Bücher des britischen PEGIDA-Aktivisten Tommy Robinson (Stephen Yaxley-Lennon). Der hatte auf der Insel eine Spendenaktion für einen krebskranken Jungen initiiert, wodurch jener samt Familie für 12.000 £ wunschgemäß ins „Disneyland“ nach Orlando (Florida) geflogen werden konnte. Dann wieder „Stille Nacht“. Kein Zweifel, die singenden 40.000 Dresdner von 2014 sind längst Geschichte. Geblieben ist eine merkwürdige Mischung aus Weihnachtsklischees ohne spirituelle Verankerung, schwarz-rot-goldenen Pudelmützen und Disneyland. Dem „Abendland“ wird man damit kaum helfen können.

Letzte Änderung am Freitag, 22 Dezember 2017 15:12
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