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Rechtspopulismus in Dresden

Siegfried Däbritz bei PEGIDA am 10. September auf dem Neumarkt

Mittwoch, 12 September 2018 15:55 geschrieben von  Jan Erbenfeld
PEGIDA am Montag an der Frauenkirche PEGIDA am Montag an der Frauenkirche Quelle: Jan Erbenfeld

Dresden – 155. PEGIDA in der Landeshauptstadt. Heute gibt es eine emotionale Wutrede von PEGIDA-Vize Siegfried Däbritz. Der stämmige Meißner gilt längst als das eigentliche Gesicht der Islamkritiker und wirkt authentischer als mancher Mitstreiter: Was immer auch der Tathergang in Köthen gewesen sein mag, Fakt sei, jeden Tag würden Menschen „Opfer der Gäste unserer Kanzlerin“. Die Verantwortung dafür liege bei den einzelnen Tätern aber auch der herrschenden Politik. Die „Hauptschuld“ aber trügen all die Bürger des Landes, welche es „versäumt haben, rechtzeitig, vorbeugend und in viel größerer Masse auf der Straße Gesicht zu zeigen“. Viele Menschen würden heute noch leben, wenn die „Straßen und Plätze vollgewesen wären“. Auch „Max Mustermann“ müsse sich „nun endlich auch mal bewegen“, denn er, seine Freunde oder Verwandten, könnten schon „die Nächsten“ sein.

Und wo, verdammt, seien die 5,9 Millionen Wähler (davon 669.940 in Sachsen), die bei der letzten Bundestagswahl der AfD ihre Zweitstimme anvertraut hätten? „Auf - die - Straße!“, skandieren die Pegidianer. So jedenfalls könne es nicht weitergehen, fährt Däbritz fort, nur „die Masse auf der Straße“ könne diese „unheilvolle Entwicklung noch stoppen“ und keine „schlauen Reden in den Parlamenten“. Wenn „wir“, die Pegidianer, „endlich Hunderttausende wären“, würde dies keine Regierung „politisch überleben“. Doch falls im Herbst ein „sichtbares Ansteigen des Widerstandes“ ausbleibe, dann wisse er, Däbritz, auch nicht mehr weiter. Es gäbe jedenfalls „nur einen, der das Land wieder vom Kopf auf die Füße stellen“ könne, meint der Redner abschließend mit einer Geste auf die Kamera: „Und das bist Du!“

Soviel selbstkritischer Ernst ist selten - wie auch die Ernüchterung, daß jene favorisierte Partei, die sich „Alternative für Deutschland“ nennt, weit davon entfernt ist, auf die mit atemberaubendem Tempo vorangetriebene Umgestaltung Deutschlands praktisch Einfluß nehmen zu können. Trotz vieler Übereinstimmungen bleibt das Verhältnis zur AfD fragil. So mögen die vielleicht 7000 Demonstranten dunkel ahnen, daß sie nichts mehr als ein winziger Teil einer Stadtgesellschaft sind, deren Mehrheit längst seinen Frieden mit den neuen Verhältnissen sucht und allenfalls bei Wahlen einem Unbehagen Ausdruck zu geben bereit ist. Dazu kommen eigene Versäumnisse der letzten Jahre, eine weitgehende Kopf- und Konzeptionslosigkeit, die wohl auch mit ausdauernden Wiederholungen und Durchhalteappellen nicht mehr wettgemacht werden kann.

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