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Westen Wind (1)

WENDEJACKEN und Gelbwesten bestimmen Frankreich

Dienstag, 11 Dezember 2018 20:23 geschrieben von  André Thiele
Frankreich im Bann der "Gelbwesten"-Proteste Frankreich im Bann der "Gelbwesten"-Proteste Quelle: Archiv B. Wawrzinek

Mainz - Natürlich verurteilen sie Haß und Gewalt. Das tun sie ja immer. Es sei denn! Und so lassen wir das besser stehen.

Seit Jahr und Tag brennen in ganz Frankreich, vor allem aber in Paris, Autos, Geschäfte und auch mal ganze Viertel. Die Irrsinnsnormalisierungsmaschinerie, genannt die Medien, hat es bisher stets zuverlässig geschafft, das vergessen zu machen. Der Niedergang des Journalismus ist wirklich eine Herzensrohheit. Früher wurden diese Leute gut für das bezahlt, was sie sagten – und waren regelmäßig schrecklich erfolglos damit. Heute werden sie sehr schlecht für das bezahlt, was sie nicht sagen – und trotz ihres erstaunlichen Erfolges scheint keine Honorarerhöhung in Sicht. Gemein!

Seit nun Präsident Macron vor einigen Tage mit einer gelben Kunstoffjoppe vor Arbeitern eines Industriebetriebes auftauchte und ausgelacht wurde – Macron 2018 mit gelber Weste, das ist wie Adolf Hitler 1945 im Cowboykostüm -, weiß sogar der Medienbetrieb, daß es ernst wird.

Und natürlich brennt da ein Auto und dort ein Laden. Das muß selbstverständlich verurteilt werden. Man verstehe ja – aber …

Nun sind die Gelbwestenleute so harmlos wie ein CDU-Parteitag. Ich weiß, ich übertreibe, bei der CDU gab es immerhin den Herrn Merz, der zwar nie eine Chance hatte, aber immerhin war er ja da. Bei den Gelbwesten gibt es nur eines – Angst.

Die nackte Angst vor der sozialen Realität, die sie über Jahre und Jahrzehnte mitgeschaffen haben.

Denn daß sie das, was sie verkonsumieren, schon seit langem nicht mehr produzieren, das wissen diese Kleinbürger und Facharbeiter, diese Ladenbesitzer und Unternehmer am besten. Aber es gab ja Ausgleich! Der Staat zahlte dies, der Staat zahlte das, und hieraus ergaben sich immer hübsche Sümmchen, die ausreichten, die Illusion zu nähren, man sei "dabei".

Sie haben, in der Umkehrung des Wortes Walter Ulbrichts, heute so leben wollen, wie sie morgen zu arbeiten gedachten. Und das geht schief. Unter Honecker ebenso wie unter – wie hießen die noch alle, diese französischen, deutschen und überhaupt europäischen Staatsmänner und –frauen, die im nicht enden wollenden Jahrmarkt der demokratischen Verzweiflung an uns vorüberziehen?

Kann man denn nicht Hoffnung schöpfen? Handelt es sich um "la France profonde" oder um "la France périphérique", mystische Gesellschaftsbestandteile, die geeignet sein sollen, alles in letzter Minute zu retten? Es ist so wenig wahrscheinlich, daß man paradoxerweise schon wieder meinen könnte, da sei etwas dran.

Aber wohin soll die Reise gehen? Zurück – Gruß an die AfD! – in das Jahr 1982, als bekanntlich noch alles in Ordnung war? Der Osten Deutschlands wird denen was pfeifen. Wohin aber dann? In weniger rationalisierte Gefilde? Da, wo noch nicht die stets wachsenden Konzerne und Institutionen alles absaugten, was nach Leben riecht?

Madig machen muß man sich die Vorgänge jedenfalls nicht lassen. Nicht die Gelbwesten sind es, die da vieles kaputtschlagen, sondern die frisch importierten Bevölkerungsschichten, die die eine Arbeit, die sie gut und gerne tun, jetzt eben mit übergestreifter gelber Weste und mit Flankenschutz der immer präsenten anarchistisch-trotzkistisch geschulten Haudraufs verrichten.

Daß das nur die Ouvertüre des kommenden Ereignisses sein kann, dürfen wir hoffen. Aber doch vielleicht bitte eine gelungene!


 

Der Schriftsteller André Thiele wurde 1968 in Hamburg geboren und lebt heute in Mainz. Weitere Informationen unter www.etiamsiomnes.de

Letzte Änderung am Mittwoch, 12 Dezember 2018 11:45
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