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Rechtspopulismus in Dresden

Zahlenspiele bei PEGIDA auf dem Theaterplatz

Mittwoch, 06 Dezember 2017 04:37 geschrieben von  Jan Erbenfeld
PEGIDA am Montag auf dem Theaterplatz PEGIDA am Montag auf dem Theaterplatz Quelle: Jan Erbenfeld

Dresden – Naßkaltes Wetter bei der 132. PEGIDA auf einem mäßig gefüllten Theaterplatz. Wolfgang Taufkirch rechnet mit Bundesinnenminister de Maiziere ab: allein 174.438 Straftaten gingen im vergangenen Jahr auf das Konto der Migranten, zwanzigmal soviel wie links- und rechtsextremistische Gruppen zusammen. Er frage sich, „wieso immer noch soviele Leute in diesem Land an Merkel festhalten.“ Die Kanzlerin sei „empathielos“, treffe sich erst auf Nachfrage mit den Angehörigen der Anschlagsopfer vom Weihnachtsmarkt am Berliner Breitscheidplatz (Dezember 2016). „Merkel-muß-weg“, skandieren die Pegidianer reflexhaft.

Dann zu den aktuellen Arbeitslosenzahlen: Vorgeblich so niedrig „wie seit 1991 nicht mehr“, in Wirklichkeit seien sie dreimal so hoch. Zu den offiziell 2.368.000 müßten noch Unterbeschäftigte (Teilnehmer von Maßnahmen, kurzfristig erkrankte Personen), 993.000 Langzeitarbeitslose, 200.000 Kurzarbeiter und 2,5 Millionen Minijobber gezählt werden. Auch die knapp 350.000 Zuwanderer, die Sprachkurse oder Praktika belegten, gelten formal als nicht arbeitslos.

Nach dem obligatorischen Spaziergang durch die Innenstadt ist PEGIDA-Vize Siegfried Däbritz im apfelgrünen Hoodie an der Reihe. Jetzt sei es an der Zeit, aktiv zu werden, speziell in Sachsen. Bei anstehenden Kommunal- und Landtagswahlen müsse der „ganze Filz ausgemistet“ werden. „Volksverräter“ seien aus ihren Positionen zu entfernen. Nun aber geht es um den vor einigen Tagen von der sächsischen Staatsregierung vorgestellten „Sachsen-Monitor 2017“, der die Einstellungen der sächsischen Bürger zu unterschiedlichsten Themen dokumentiert:

Demzufolge schätzten 77 Prozent der Sachsen ihre wirtschaftliche Situation als „gut“ ein, blickten optimistisch in die Zukunft und vertrauten der Demokratie. Anderseits stimmten mehr als die Hälfe der Befragten der These zu, daß die Bundesrepublik durch die vielen Ausländer „in einem gefährlichen Maß überfremdet“ sei und votierten dafür, mehr Geld für die deutsche Einheit auszugeben, statt für die Integration von Migranten.

Jedenfalls sollten die anderen Bundesländer von Sachsen lernen und müßten wieder „mutiger werden“. Demokratiebegeisterung und ein tiefverwurzeltes Mißtrauen gegenüber Politikern sei kein Widerspruch und schon gar nicht mit der „DDR-Vergangenheit“ zu erklären, der angeblichen Angst vor Veränderungen. Denn man habe keine Angst, man habe - Mut! Als „gelernter DDR-Bürger“ spüre man eben, wenn sich ein System „in einen Unrechtsstaat“ verwandele.

Pötzlich fällt die Verstärkeranlage aus, der stämmige Meißner klettert an den Bühnenrand und brüllt dem jubelnden Publikum lauthals noch eine Durchhalteparole zu, dann wird im Schein der Taschenlampen das „Lied der Deutschen“ intoniert. Am 16. Dezember trifft man sich wieder am gleichen Platz, zum Weihnachtsliedersingen mit „Ramona“.

Letzte Änderung am Freitag, 08 Dezember 2017 00:04
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