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Sandro Oschkinat als Gastredner auf dem Altmarkt

1000 Tage PEGIDA

Mittwoch, 12 Juli 2017 20:24 geschrieben von  Jan Erbenfeld
Anhänger von PEGIDA in Dresden am 10. Jui 2017 Anhänger von PEGIDA in Dresden am 10. Jui 2017 Quelle: Jan Erbenfeld

Dresden – Am kommenden Sonntag gibt es die Dresdner PEGIDA genau 1000 Tage. Zweieinhalb Jahre sind schon eine Zeit. Man kann zu den sächsischen Islamkritikern sehr unterschiedlicher Meinung sein, ihren durchweg friedlichen Protest auf Dresdens Straßen werden selbst politische Gegner nicht in Abrede stellen. So dankte Versammlungsleiter Wolfgang Taufkirch am vergangenen Montagabend „all jenen, die bis heute durchgehalten haben“. Erwartungsgemäß sorgten die Hamburger Gewaltexzesse vom Wochenende und das nicht sehr glaubhaft wirkende Überraschtsein mancher Politiker für Empörung. Nach dem „Spaziergang“ durch die Innenstadt folgte ein Gastredner.

Sandro Oschkinat, Vorsitzender des „Spektrums aufrechter Demokraten“ aus Torgau, spricht zu den „lieben deutschen Mitbürgern“ und „lieben deutschen Arbeitern“ und stellt sich als AfD-Aktivist und PEGIDA-Parteigänger vor. Das gefällt. „Gemeinsam“ müssten AfD und PEGIDA das Land „zum Positiven verändern“. Dann entwickelt der stämmige Torgauer ein holzschnittartiges Deutsche-Demokraten-zusammenhalten-Gesicht-zeigen-Arsch-heben-Ego-überwinden-großeSache-denken-Bild, was dem Publikum aus dem Herzen sprechen mag, mit den Realitäten aber kaum übereinstimmt. Erst am Tag zuvor waren Teile des AfD-Kreisverbandes Sächsische Schweiz-Osterzgebirge deutlich bei dem Versuch gescheitert, ihre ungeliebte Bundesvorsitzende als Direktkandidatin abzuwählen, was der Konfusion in der Petry-Truppe weiteren Boden bereitet.

Mittendrin bekennt Oschkinat, politisch „eher links“ zu stehen, allein der „sozialen Gerechtigkeit“ und Ernst Thälmanns Zitaten vom Vaterland wegen. Insofern seien die Randalierer von Hamburg keine Linken, sondern „Asoziale und Kriminelle“. Die Mächtigen, so der Redner weiter, trieben ein „perfides Spiel“, das „Rechts gegen Links“ heiße und die Menschen gegeneinander ausspiele. „Großkapital und Hochfinanz“ seien der eigentliche Feind.

Die Pegidianer jubeln. Das diffuse Bauchgefühl „Die da oben verarschen uns doch alle“, ist hier weit verbreitet, und auch Oschkinat reist auf dieser Welle. Mit Politik hat das wenig zu tun. Die findet weiterhin in den Parteizentralen und Parlamenten statt, woran auch eine Mischung aus Kraftmeierei und Ahnungslosigkeit nichts ändern wird.

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