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Rund um die Landeshauptstadt

Beim Kutschenfest in Seeligstadt

Mittwoch, 28 März 2018 07:48 geschrieben von 
Beim Kutschenfest in Seeligstadt Beim Kutschenfest in Seeligstadt Quelle: Bert Wawrzinek

Seeligstadt – Strahlend blauer Himmel und warme Frühlingssonne, das Wetter meint es gut mit den Kutschen- und Pferdefreunden am Sonntagnachmittag in Seeligstadt. Der Kutschenhandel Sachsen hat zu seiner 12. Hausmesse geladen und kann im historischen Vierseithof ein hochgestimmtes Publikum begrüßen. Da sind die Herren vom Fach, denen der Seeligstätdter Kutschenhandel seit Jahr und Tag unverzichtbarer Anlaufpunkt ist. Schnell hat man sich in Gespräche verstrickt, und dankbar hascht der Laie nach jedem Profi-Kommentar. Junge Familien inspizieren das Gelände, und während so manches lederne Zaumzeug den Besitzer wechselt, üben sich die Kleinen unter fachgerechter Anleitung in der Herstellung hölzerner Schnitzwerke.

Auf dem Freigelände aber stehen reihenweise Kutschfahrzeuge aus alter und neuer Zeit: Einachser, Trainingswagen, Landauer und Wagonetts aus zweiter Hand, die beim „Schnäppchenmarkt“ von ihren Besitzern offeriert werden, tipptopp in Schuß oder restaurierungsbedürftig. Neu und lieferbar ist eine kaum zu überblickende Vielzahl von Kutschentypen; ein Paradies für Individualisten, die beim anvisierten Traumwagen ihren persönlichen Geschmack einbringen möchten. Erstaunlich, wie eine historische Konstruktion bis heute ihren Charakter behauptet und dabei doch auf moderne Standards - wie eine Scheibenbremsanlage - nicht zu verzichten braucht.

Auch wenn die große Zeit des Verkehrsmittels Kutsche, dessen Spuren sich bis in die Antike zurückverfolgen lassen, mit dem Aufkommen des Automobils ein Ende fand, hat sich seine Faszination bis heute erhalten. Unwiderstehlich wirkt das treue Bündnis von Pferd und Kutscher, Mensch und Tier. So war es ein willkommener Höhepunkt, als der angekündigte (Radeberger) Kutschenwagen auf den Hof fuhr, gezogen von zwei prächtig aufgeputzten Rheinisch-Deutschen Kaltblütern. „Entschleunigung“ heißt ein Modewort unserer Zeit, doch genau hier, bei den Kutschenfreunden wird sie auch gelebt: Jörg Schroll, der brave Rosselenker aus dem 20 Kilometer entfernten Wachau, hatte eine dreistündige Anreise hinter sich und wirkte kein bißchen unglücklich!

Mehr Informationen unter www.kutschenhandel-sachsen.de

Letzte Änderung am Mittwoch, 28 März 2018 07:56
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Bert Wawrzinek

Bert Wawrzinek wurde 1959 in Leipzig geboren und lebt heute im Stolpener Land.

Im ersten Leben Rockmusiker, betreibt er seit 25 Jahren das HISTORICA Antiquariat im Dresdner Barockviertel.
Für SACHSEN DEPESCHE schreibt er seit April 2016 zu Themen der sächsischen Kultur und Geschichte.

Webseite: www.sachsen-depesche.de/show/author/56-bert-wawrzinek.html
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