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PEGIDA- und AfD-Doppelveranstaltung in Dresden

Ist das Kunst, oder kann das schon auf den Neumarkt?

Dienstag, 09 Mai 2017 22:53 geschrieben von  Jan Erbenfeld
Gesicht zeigen gegen Rechts? NOPE-Sitzblockade auf dem Dresdner Neumarkt Gesicht zeigen gegen Rechts? NOPE-Sitzblockade auf dem Dresdner Neumarkt Quelle: Jan Erbenfeld

Dresden – Die Stadt vibriert, besonders montags. 11:00 Uhr erschien der Schauspieler Uwe Steimle mit einem 1,70 Meter hohen, hölzernen Fernsehturmmodell auf dem Neumarkt, den er als „höchstes Minarett Dresdens“ auf einer pinkfarbenen Fußbank platzierte. Mehr als 200 Schaulustige sahen sich die halbstündige Performance des Kabarettisten begeistert an, dem es an diesem 8. Mai vor allem um „Völkerverständigung“ und den „Weltfrieden“ zu tun war.

Die pfiffige Gratwanderung Steimles („Ist das Kunst, oder kann das schon auf den Neumarkt?“) wäre nicht zu verstehen, ohne die umstrittenen Schrottbusse des Aktionskünstlers Malbouni (Februar bis April 2017) und das neulich am gleichen Ort aufgestellte „Denkmal für den permanenten Neuanfang“ eines Hamburger Künstlerduos.

Ein besonderer Tag auch für die rechtspopulistische Bürgerbewegung PEGIDA, die erstmals in Dresden eine gemeinsame Abendveranstaltung mit dem AfD-Kreisverband Sächsische Schweiz-Osterzgebirge durchführte. PEGIDA bestritt den ersten Teil, dann ging es zum obligatorischen „Spaziergang“ durch die Innenstadt. Als die Pegidianer mit wehenden Fahnen über den Schloßplatz zur Augustustraße zogen, intonierte auf der Freitreppe zur Brühlschen Terrasse eine fünfköpfige Blaskapelle spontan das Deutschlandlied, worauf die Vorbeiziehenden lauthals einstimmten.

Im Anschluss sahen sich nun AfD-Funktionäre im Separee des AfD-Lautsprecherwagens einem ungewohnt großen Publikum und zahlreichen Medienvertretern gegenüber. Während die Menge den „Schulterschluss“ bejubelte, mühte sich der Dresdner AfD-Kreisverbandsvorsitzende Reinhard Günzel unbeholfen um Distanz. Nach der Forschungsgruppe „Durchgezählt“ folgten den Veranstaltern bis zu 2.400 Menschen, einige Beobachter gehen aber von der doppelten Anzahl Demonstranten aus.

Den 8. Mai feierte auch das antifaschistische Bündnis NOPE, wie angekündigt, „lautstark gegen Pegida, AfD und deren rassistische Hetze“. Ein Dutzend mit Sonnenbrillen und Kapuzen ausgestatteter Aktivisten harrte tapfer als Sitzblockierer inmitten der PEGIDA-Anhänger aus, beschützt von ernst dreinschauenden Polizisten. Am Rand des Platzes lugten weitere Protagonisten hinter martialischen Transparenten hervor, zeigten ein bisschen Gesicht und stießen in Richtung ihrer politischen Feinde wütende Flüche und Verwünschungen aus, die mit ebensolcher Wut erwidert wurden. Dresden vibriert, auch kommenden Montag.

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Redaktion