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Geheimnisvolles Sachsen

Röthendorf - ein untergegangener Ort im Stolpener Land

Donnerstag, 04 Oktober 2018 14:01 geschrieben von 
Untergegangen: Röthendorf bei Stolpen Untergegangen: Röthendorf bei Stolpen Quelle: Bert Wawrzinek

Stolpen – Auf den nördlichen Ausläufern der Stolpener Flur liegt hinter Feldern und Waldflecken eine Hochfläche mit vereinzelten Gehöften, die an ein untergegangenes Bauerndorf erinnern. Spärliche Nachrichten nur künden vom Schicksal, daß diesen im Zug der deutschen Besiedelung gegründeten (und 1262 als „Reutendorph“ ersterwähnten) Ort und seine Bewohner ereilt haben mag. 1429 sollen böhmische Hussiten Röthendorf verbrannt haben. Tatsächlich trieben jene damals in Kursachsen ihr Unwesen, brandschatzten Altendresden und zogen elbabwärts weiter bis Magdeburg. Erfolglos hatten sie acht Wochen lang die Burg Stolpen belagert und in ohmächtigem Zorn das benachbarte Jockrim dem Erdboden gleichgemacht.

Das „Sagenbuch der Sächsischen Schweiz und ihrer Randgebiete“ von Alfred Meiche (1870-1947) verzeichnet eine schaurige Geschichte vom „Teufelsfeuer am Schinderbusch“. Danach soll bei jenem wüst gewordenen Ort zu Mitternacht Unheimliches geschehen, wie auch ein Müller, der nachts von Stolpen einen Feldweg zu seiner an der Wesenitz gelegenen Mühle entlangschritt, erlebt haben will. Der also lief nach dem sogenannten Schinderbusch dahin, gewahrte links, wo noch heute die Berghäuser stehen, ein merkwürdiges Feuer, um das dunkle Schatten huschten. Plötzlich aber begannen die Flammen auf genannte Häuser zuzuschießen, um nach kurzem Innehalten ihren Weg knisternd fortzusetzen.

Dann aber wechselte das Feuer die Richtung, raste auf den entsetzten Müller zu, der außer sich vor Schrecken, die Beine schließlich in die Hand nahm. Mit Mühe erreichte er den zur Wesenitz führenden Weg. Doch wie sich unser Müller umblickt, stehen die Flammen still, werden kleiner und kleiner … Als er die Sache seinem alten Knecht erzählt, weiß der doch von den Feuern beim Schinderbusch, Teufelsfeuer, worum Teufel sprängen mit langen Schwänzen und rußigen Schnauzen, die dem, den sie erwischten, den Hals herumdrehten. Und vielleicht, fuhr der Alte geheimnisvoll fort, hätten die Teufel noch immer ein „Gelust“ auf arme Seelen jener Zeit, als die Hussiten in Röthendorf gehaust und dessen Bewohner im Schinderbusch gemartert und verscharrt haben.

 

Literatur:

- Carl Christian Gercken: Historie der Stadt und Bergvestung Stolpen, im Marggrafthume Meissen gelegen, aus zuverlässigen Nachrichten entworffen. Dresden und Leipzig 1764
- Hermann Lemme: Um Stolpen und Neustadt. Ergebnisse der heimatkundlichen Bestandsaufnahme im Gebiet von Stolpen und Neustadt. Berlin (Ost) 1970
- Alfred Meiche: Sagenbuch der Sächsischen Schweiz und ihrer Randgebiete. 2. Auflage der überarbeitetem 2. Auflage von 1929, Berlin 1997

Letzte Änderung am Freitag, 05 Oktober 2018 22:34
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Bert Wawrzinek

Bert Wawrzinek wurde 1959 in Leipzig geboren und lebt heute im Stolpener Land.

Im ersten Leben Rockmusiker, betreibt er seit 25 Jahren das HISTORICA Antiquariat im Dresdner Barockviertel.
Für SACHSEN DEPESCHE schreibt er seit April 2016 zu Themen der sächsischen Kultur und Geschichte.

Webseite: www.sachsen-depesche.de/show/author/56-bert-wawrzinek.html
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