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Oberlausitz

Was macht eigentlich - die Zittauer Mandaukaserne?

Samstag, 21 Juli 2018 04:52 geschrieben von 
Nicht nur Freunde: Eingeworfene Fenster an der Hauptfassade Nicht nur Freunde: Eingeworfene Fenster an der Hauptfassade Quelle: Bert Wawrzinek

Zittau – Es ist wieder still geworden, um Zittaus größtes Gebäude, die 1868/69 unter Leitung des Stadtbaumeisters Emil Trummler errichtete 102er-Kaserne. So freut sich der interessierte Beobachter einstweilen an Meldungen über den sympathischen Falkennachwuchs, der das dritte Jahr in Folge in dem traditionsreichen Bau das Licht der Welt erblickt. Und doch grenzt es an ein Wunder, daß die Kaserne mit ihren 200 Räumen und 12 000 m² Nutzfläche zwischen Stadtzentrum und Südvorstadt bis heute den Zeitläuften trotzt, der geplante Abriß in letzter Stunde verhindert werden konnte. Nachdem Notsicherungs- und Sanierungsarbeiten neue Perspektiven zu eröffnen schienen, standen Mitte 2017 immerhin 3,9 Millionen Euro Fördermittel aus dem Bundesbauministerium im Raum, rückte ein Erfolg in greifbare Nähe.

Doch der Traum zerplatzte, nachdem sich Eigentümer Thomas Göttsberger und die Stadt Zittau nicht auf ein Nutzungs- und Finanzierungskonzept zu einigen vermochten. Nach einem Stadtratsbeschluß verzichtete die Stadt Zittau im Herbst 2017 jedenfalls auf die in Aussicht gestellten Fördermillionen. Tragisch dabei, daß gerade die Zittauer Hochschule als potentieller Mieter damals keine Aussagen zu ihrem Flächenbedarf treffen konnte, und die von der Stadt geforderte Bankbürgschaft über die Gesamtbausumme ohne entsprechende Mietverträge nicht zu haben war.

Daß das denkmalgeschützte Bauwerk nicht nur über Freunde verfügt, zeigt sich dieser Tage in Form von leeren Fensterhöhlen an der Fassadenfront. Um die 100 Fensterflügel werden gerade neu verglast, damit der morbide Charme der alten Dame auch künftig seine Wirkung tut. Aller Skepsis zum Trotz, geht es dabei um mehr als nur Kosmetik, zeigt sich in der Wiederherstellung der gewohnten Ordnung gleichwohl die ausdauernde Überzeugung der Zittauer Kasernenretter, daß der Dornröschenschlaf des stadtbildprägenden Monuments auch mal ein Ende haben wird. Irgendwann.

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Bert Wawrzinek

Bert Wawrzinek wurde 1959 in Leipzig geboren und lebt heute im Stolpener Land.

Im ersten Leben Rockmusiker, betreibt er seit 25 Jahren das HISTORICA Antiquariat im Dresdner Barockviertel.
Für SACHSEN DEPESCHE schreibt er seit April 2016 zu Themen der sächsischen Kultur und Geschichte.

Webseite: www.sachsen-depesche.de/show/author/56-bert-wawrzinek.html
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