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Gedenktage in Sachsen

Zum Martinstag am 11. November

Donnerstag, 08 November 2018 10:29 geschrieben von  Hans Holler
St. Martin in Lauterbach bei Stolpen St. Martin in Lauterbach bei Stolpen Quelle: Bert Wawrzinek

Dresden – Wenn in vielen Lokalen um den 11. November herum ein Gänsebraten angeboten und als „Martinsgans“ serviert wird, dann hat dies einen besonderen Grund. Das Datum erinnert an den Heiligen Bischof Martin von Tours, dessen Tod auf jenen Tag des Jahres 397 datiert wird. Martinus wurde 316 oder 317 in Stein am Anger (Szombathely), heute Westungarn, geboren, wuchs später in Pavia auf und kam als Jüngling zur Leibwache Kaiser Konstantins II. nach Mailand. Mit 40 Jahren verließ er den Militärdienst, um zunächst Einsiedler bei Genua zu werden, ging dann nach Gallien und errichtete in Ligugé das erste Kloster des Abendlandes, die heute noch von Benediktinern geführte Abbatia Sancti Martini. 372 zum Bischof geweiht, erfüllte er das asketische Mönchsideal so augenfällig – er lebte in einer Hütte vor den Stadtmauern –, daß er nicht nur große Beliebtheit im Volke gewann, sondern bald auch als Wundertäter und Nothelfer einen guten Ruf genoss.

Die bekannteste und in zahllosen Darstellungen verewigte gute Tat Martins ist seine Mantelteilung. Als Angehöriger der Kaiserlichen Garde mit einem zweiteiligen weißen Überwurf angetan, begegnete er bei winterlicher Kälte einem unbekleideten Armen, teilte seinen Mantel mit dem Schwert und gab eine Hälfte dem Bedürftigen. Damit kam er dem Christuswort nach „Ich bin nackt gewesen und ihr habt mich gekleidet … Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.“ (Mt 25,35-40). Weniger bekannt ist, daß auch das Wort „Kapelle“ auf Martins Mantel (lat. cappa) zurückgeht. Die ihm verbliebene Hälfte gehörte seit der Merowingerzeit zu den Reichsreliqien und damit zum Kronschatz der fränkischen Könige und reiste mit dem Hof. Verwahrt wurde sie oft in kleinen, abgeschlossenen Kirchenräumen, die später die Bezeichnung „Kapellen“ erhielten.

Weit über die katholische Kirche hinaus, die das Martinsfest als Gedenktag in ihrem Generalkalender aufführt, gehen in ganz Mitteleuropa Brauchtümer auf Martin zurück, von denen die Zubereitung der Gans – in deutschen Landen meist mit Rotkohl und Kartoffelklößen oder Semmelknödeln – nur die bekannteste ist. Prosaisch betrachtet, liegt das Datum vor dem Beginn der früher üblichen vierzigtägigen Adventsfastenzeit – der dann so genannten Martinsquadragese –, so daß es sich anbot, zuvor noch eine kräftige Mahlzeit einzunehmen. Die Legende berichtet jedoch von einem anderen Ursprung. Demnach scheute der höchst bescheidene Martin vor seiner Bischofsweihe zurück und versteckte sich in einem Gänsestall. Die schnatternden Vögel verrieten ihn aber, so daß die Weihe vorgenommen werden konnte.

In älterer Zeit war es nicht unüblich, nach dem Servieren des Bratens ein selbstverfasstes Gänsegedicht aufzusagen. So gab es in der berühmten Landesschule Pforta bei Naumburg (Saale) Tischgemeinschaften, deren jüngstes Mitglied ein solches auf Latein rezitierte. In vielen Landschaften des deutschen Sprachraums sind noch heute Martinsumzüge Brauch, bei denen Kinder mit selbst gebastelten Laternen des Weges ziehen, oft angeführt von einem Schimmelreiter, der Martin mit rotem Mantel als römischen Soldaten oder mit Mitra als Bischof darstellt. Von den dabei gesungenen Martinsliedern ist das bekannteste „Ich gehe mit meiner Laterne“ mit dem Reim „Laterne, Laterne, Sonne, Mond und Sterne“. Von den Zuhörern erhalten die Kinder Gebäck und andere kleine Geschenke, zum Abschluß versammelt man sich vielerorts um ein Martinsfeuer. In manchen Weingegenden wird noch der Martinstrunk ausgeschenkt: junger Wein, für dessen Verkostung die Fässer an diesem Tag erstmals geöffnet werden.

Ein Bezug zu Sachsen findet sich auch in dem von Prinzessin Mathilde (1863-1933) geschaffenen Bildnis des Heiligen für die Pfarrkirche „St. Martin“ in Nebelschütz (Oberlausitz). Die ältere Schwester des letzten Sachsenkönigs Friedrich August III. erhielt als junge Frau bei Alfred Diethe in Dresden Malunterricht und hat manch schönes Gemälde hinterlassen. Auch andere St. Martinskirchen befinden sich hierzulande, so in Lauterbach bei Stolpen, wo ein Relief über dem Eingang den Heiligen in charakteristischer Pose zeigt.

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